Coming Out – Wer, wie was?

Schwules Paar küsst sich auf den MundFoto ©Â© Robert Kneschke

Der Begriff Coming Out, bzw. Outing wird seit den 1990er Jahren gleichermaßen für die erzwungene und die freiwillige Bekanntgabe der sexuellen Identität genutzt. Neben Schwulen und Lesben „outen“ sich nun auch Anhänger bestimmter Sexpraktiken oder Sekten. In dem meisten Fällen wird es allerdings für freiwillige Outings gebraucht und bezieht sich nur auf Homosexualität.Outing bezeichnete zu Beginn eigentlich nicht das freiwillige Verkünden der eigenen Sexualität, sondern das durch Aktivistinnen und Aktivisten der Gay Liberation Community durchgeführte Zwangsoffenlegen derselbigen. Gegen den Willen der Beteiligten wurde über deren Sexualität berichtet. In der Regel waren es Prominente, die dieser Art Aktivismus zum Opfer gefallen sind. Ziel war die Veröffentlichung der Tatsache, dass viele „normale“ und bekannte Menschen schwul oder lesbisch sind. Jugendlichen, die in der sexuellen Selbstfindungsphase sind, sollten so weitere Optionen neben der Heteronormativität gegeben werden. Diese Art des Outings wurde von Beginn an kontrovers in der Szene diskutiert und schließlich als menschenunwürdig eingestellt. Heute ist man dazu übergegangen, das eigene Outing der Schwulen und Lesben durch soziale Infrastruktur und psychologische Hilfe zu unterstützen.

Das Outing im üblichen Sinne beschreibt indes den Vorgang, mit dem ein Schwuler oder eine Lesbe ihre sexuelle Orientierung ihrem/seinem Umfeld offenbart. Da heterosexuelle Menschen dies in der Regel nicht tun, stellt sich die Frage, warum ein Outing vielen Schwulen und Lesben überhaupt nötig erscheint.

Psychologen gehen davon aus, dass ein Outing immer am Ende eines inneren Kampfes steht, in dem sich ein Mensch mit seiner als „nicht richtig“ empfundenen Sexualität auseinandergesetzt hat. Er oder sie empfindet sie als unnormal, weil sich Familie, Freunde und Medien häufig nur in heteronormativen Konstrukten bewegen. Beispiele lassen sich viele finden: Die Tante, die das 13-Jährige Mädchen fragt, ob es „schon einen Freund“ hat, der Vater, der sich von dem dritten der erwachsenen Söhne eine Schwiegertochter wünscht „damit deine Mutter nicht nur von Kerlen umgeben ist“. Diese latenten Erwartungshaltungen können zu großen psychologischen Problemen führen.

Auch in Serien, Filmen und Büchern – gerade für Kinder und Jugendliche –  kommen Liebesgeschichten zwischen Gleichgeschlechtlichen selten bis nie vor. All das prägt das Realitätsverständnis von jungen Menschen: und so gerät dieses zunehmend in Konflikt mit den eigenen – homosexuellen – Erfahrungen und Bedürfnissen.

Ein Outing ist somit auch ein Befreiungsschlag für die Seele, weil es Identität und Selbstgefühl in Einklang bringt. Ein Schwuler, der sein Umfeld mit seiner Orientierung konfrontiert hat, wird nicht mehr mit heteronormativen Anspielungen belästigt. Deswegen ist auch ein Outing in jeder neuen Gruppe, in die man hineinkommt, sinnvoll, solange sich in der Gesellschaft nicht durchgesetzt hat, dass man im Umgang mit anderen Menschen Fragen der sexuellen Orientierung offen lässt. Von dieser Situation sind wir noch weit entfernt, im Gegenteil: Latente und offen erlebte Homophobie sind leider immer noch Alltagsgeschehen. Das erschwert vielen Schwulen und Lesben, auch im Erwachsenenalter, ihr Outing.

Das wohl bekannteste deutsche Outing kam 2001 vom SPD-Politiker Klaus Wowereit: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!

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