Die Deutschen und ihr Urlaub

Urlaub - Engl.: holidayFoto ©Bigstock

Wenn es um den Urlaub geht, sind die Deutschen Weltmeister. Und das nicht etwa, weil sie die meisten Urlaubstage haben. Tatsächlich liegen sie mit 20 gesetzlich garantierten Ferientagen im internationalen Mittelfeld, die Finnen, die Franzosen und die Brasilianer freuen sich über 30 garantierte Tage. Aber kein anderes Völkchen verreist so gerne und so häufig wie die Deutschen. „Obwohl (die Deutschen) nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung stellen, kommen über elf Prozent der weltweiten Reiseausgaben aus deutschen Portemonnaies“, meldet etwa das Wissenschaftsmagazin PM.

Wo urlaubt der Deutsche am liebsten?

Das Lieblingsreiseziel der Deutschen ist seit vielen Jahren unangefochten – Deutschland. Nach einer Studie der „Stiftungsfragen für Deutschland“ werden auch in 2014 ein Viertel der deutschen Urlauber ihre Ferien im eigenen Land verbringen. Das mag einem gewissen Pragmatismus geschuldet sein, ganz nach der alten Weisheit: „Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nahe?“ Denn immerhin hat die Heimat einiges zu bieten: Schwarzwald, Harz oder das Allgäu zum Beispiel bieten gesunde Luft, tolle Landschaften und jede Menge Wanderwege und Ausflugsziele. An der Ostsee oder auf Usedom können Freunde des gepflegten Strandurlaubs richtig entspannen, Fans von Städtereisen erkunden die Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Für Reiseziele in Deutschland spricht auch, dass sie sich problemlos mit dem Auto erreichen lassen, was die Deutschen besonders mögen: Rund 50 Prozent reisen am liebsten mit dem eigenen Wagen an.

Platz 2 der Hitparade der beliebtesten Urlaubsziele hat sich Spanien gesichert, was insofern nicht überrascht, da die Sonneninsel Mallorca als eine Art 17. Bundesland gilt. Auf Platz 3 liegt Italien, gefolgt von der Türkei und Frankreich. Allerdings: „Fernreisen boomen“, weiß Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Besonders die USA und Asien profitieren von diesem Trend. Krisenländer geraten dagegen schnell ins Hintertreffen. In der Stiftungs-Studie belegt das von der Eurokrise gebeutelte Griechenland den zehnten von zehn Plätzen. Nach einer Umfrage der Zeitung „Die Welt“ unter deutschen Reiseveranstaltern legen die Hellenen in der Gunst der Urlauber allerdings inzwischen wieder zu.

Als Urlaubsdomizil bevorzugen die Deutschen das klassische Hotel, und wenn es ihnen in einem gefallen hat, kommen sie auch gerne wieder. Außerhalb der Landesgrenzen ist die Pauschalreise besonders beliebt, All Inclusive-Angebote finden ein knappes Drittel der deutschen Urlauber richtig gut.

Die Deutschen und die Urlaubstreue

Wo es dem Deutschen gefällt, da fährt er öfters hin. Sinnbild für diese Haltung ist Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der in seinem Lieblingsurlaubsort St. Gilgen am Wolfgangssee schon beinahe den Status eines touristischen Wahrzeichens hatte. Die Kölner haben ihren Dom, die Hamburger ihren Hafen, die St. Gilgener hatten ihren Kanzler. Ganz so treu sind die Deutschen heute aber nicht mehr. „Deutlich über ein Drittel der Reisen geht zu einem Ziel, wo der Reisende vorher noch nie war. (…) Der Einzelne probiert also durchaus gerne mal etwas Neues aus“, informiert Prof. Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in einem Interview mit der Rheinischen Post.

Wie die deutschen Urlauber sich sehen – und gesehen werden

Der Deutsche an sich ist ein kritischer Geist und geht im Urlaub mit seinen Landsleuten gerne hart ins Gericht. Die Maiers aus Hamburg schaufeln sich beim Frühstücksbüffet schon wieder die Teller so voll, dass das Porzellan Sprünge bekommt? Wie peinlich! Der Müller aus Frankfurt liegt seine Kamera nicht mal beim abendlichen Cocktail aus der Hand? Was für eine Nervensäge! Einer Emnid-Umfrage zufolge haben sich zwei Drittel der Deutschen im Urlaub für ihresgleichen schon einmal fremdgeschämt.

Die Einheimischen finden deutsche Touristen hingegen in der Regel angenehmer als die sich selbst. In den einschlägigen Rankings belegen die Deutschen regelmäßig vordere Plätze, beliebter sind meist nur die Japaner. Allerdings gilt der Teutone beim Thema Trinkgeld immer noch als ein wenig knausrig. Echte Minuspunkte hingegen sammelt er bei der Mode, wandelt er doch gerne in kurzer Hose und dazu farblich garantiert nicht passendem Hemd, das er auch noch in den Bund gestopft hat, als fleischgewordener modischer Alptraum durch sein Urlaubsland. Nicht totzukriegen ist der Klassiker, Sandalen mit weißen Socken. Dass die Designerin Miuccia Prada vor einigen Jahren genau diesen eigenwilligen Kleidungsstil adelte, indem sie bei ihrer Frühjahrsmodenschau Models mit Socken und Sandalen auf den Laufsteg schickte, ändert nicht wirklich etwas. Nach einer Umfrage von „Urlaubstours“ halten selbst 36 Prozent der Deutschen ihre Landsleute für schlecht gekleidet, was hier der Spitzenwert ist.

Der bei den Hoteliers in der Regel nicht gerne gesehenen Sitte, in aller Frühe seinen Liegestuhl mit einem Handtuch zu reservieren, frönen nach einer Umfrage der Rheinischen Post knapp 50 Prozent der deutschen Urlauber – aber immerhin befinden sie sich da in guter Gesellschaft mit Angehörigen anderer Nationen.

Wie lange macht der Deutsche Urlaub

Den einen großen Jahresurlaub gibt es immer seltener. Wo früher die dreiwöchigen Ferien die Regel waren, werden heute häufig nur noch zwei Wochen gebucht. Dafür verreist man lieber öfters, Städtereisen zum Beispiel sind hier voll im Trend. Zwei Wochen auf die Sonneninsel und dann im Herbst vielleicht noch einmal für eine Woche nach London oder kurz vor Weihnachten zum Shoppen nach New York, zwischendurch eventuell ein Abstecher nach Hamburg – so sieht für immer mehr Deutsche die Urlaubsplanung aus.

Bitte lächeln

Was wäre der schönste Urlaub ohne die Erinnerungsfotos? Die früher in der ganzen Familie gefürchteten Diaabende gehören inzwischen weitgehend der Vergangenheit an, doch in den schönsten Wochen des Jahres knipsen die Deutschen nach wie vor gerne und ausgiebig. Nach einer repräsentativen Umfrage von Forsa halten 84 Prozent der Befragten ihre Urlaubserinnerungen im Bild fest. Besonders aktiv mit 95 Prozent ist hier die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, geknipst wird mit Fotoapparat und zunehmend mit dem Smartphone. Es ist ja auch so einfach: Statt wie früher erst mühsam die Filme ins Fotolabor bringen zu müssen, können die Schnappschüsse vom türkischen Basar oder vom Timessquare in Echtzeit auf Facebook hochgeladen und von den Lieben zu Hause bestaunt werden.

Etwa 80 Prozent überspielen ihre Urlaubsfotos auf den Computer und speichern sie dort zur weiteren Verwendung ab. Dienstleister wie zum Beispiel Webprint bieten zahlreiche Möglichkeiten, um die Bilder erst richtig zur Geltung kommen zu lassen. Warum nicht das Foto vom Sonnenuntergang am Strand als klassisches Poster oder als Leinwand an die Wand hängen oder am PC ein Fotoalbum mit den besten Bildern gestalten und drucken lassen? So werden Erinnerungen noch schöner.

Bildquelle: 
BigStock by kaarsten, Stock Foto 22976684

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