Gehirnjogging

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Wer täglich Sport treibt, wird mit der Zeit (teilweise aber auch schon relativ schnell) eine Leistungssteigerung bemerken, Ausdauer und Fitness werden stetig besser. Die Frage ist nun, ob eine Leistungssteigerung auch beim Gehirn erzielt werden kann. Kann tägliches Gehirnjogging das Denken verbessern bzw. effektiver machen und uns damit schlauer und intelligenter? Eine große Vielzahl an Übungen werden diesbezüglich angeboten und sollen Kreativität, Auffassungsgabe und Gehirnleistung erhöhen. Zu diesen Aufgaben zählen zum Beispiel klassische Plus- und Minusaufgaben, Wortspiele, Ergänzungsaufgaben und das Auswendiglernen – etwa von Gedichten. Macht Gehirnjogging nun tatsächlich intelligenter?

Intelligenz: die kognitive Leistungsfähigkeit

Die Summe der kognitiven Leistungsfähigkeit des Menschen bestimmt seine Intelligenz. Je höher die kognitive Leistungsfähigkeit liegt, desto höher wird auch die Intelligenz eines Menschen angesehen. Hierbei ist zu beachten, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen aber aus verschiedenen Elementen zusammensetzt. In diesem Zusammenhang fällt oft der Name Perkins, dessen Modell von drei Elementen der Intelligenz spricht: der neuronalen Geschwindigkeit, dem Erlernten bzw. dem Wissen und der Methode bzw. der Strategie, die gewählt wird. An Element (1), also der neuronalen Geschwindigkeit, können wir nichts ändern, sie wurde uns in die Wiege gelegt – ist also von unseren Genen abhängig. Stellt eine Person fest, dass sie bei neuen Lerninhalten eher langsam ist (spricht länger für die Aufnahme neuer Lerninhalte braucht), so spricht man von einer neuronal langsamen Person. Werden neue Inhalte jedoch schnell aufgenommen, so ist von einer neuronal schnellen Person die Rede. Während Element (1) hauptsächlich bei neuen Inhalten wesentlich ist, spielt Element (2) – also das bereits Erlernte bzw. das Wissen – im Späteren eine bedeutendere Rolle. Je mehr eine Person weiß, zum Beispiel von historischen Daten oder mathematischen Formeln, desto einfacher wird es für die Person, neue Dinge zu lernen. Zur Veranschaulichung dient hierbei ein Spinnennetz: Besteht das Netz nur aus wenigen Fäden, so verfängt sich nur selten ein Insekt in diesem. Ist das Netz jedoch dicht verwoben, so bleibt ein Insekt viel schneller in diesem hängen. Wer schon viel über den Siebenjährigen Krieg in Erfahrung bringen konnte, der wird neue Inhalte über diesen viel schneller erfassen und verstehen können, da bereits zentrale Begriffe bekannt sind und eine Einordnung der neuen Daten möglich ist. Dies kennt man etwa von seinem Lieblingsthema. Zum Schluss die Wahl der Methode (3). Findet jemand einen Trick, der eine Handlung (oder etwa auch eine bestimmte Lernaufgabe) erleichtert, so hat dieser durch einen Wechsel der Methode einen intelligenteren Weg gefunden. Beispielsweise kann man Vokabeln wesentlich besser lernen, wenn diese im Kontext eines Satzes und nicht isoliert gelernt werden. Die kognitive Leistungsfähigkeit lässt sich demnach auf Ebene des Wissens und auf Ebenen der Methodenwahl beeinflussen. Welche Rolle spielt nun aber das Jogging des Gehirns dabei?

Aneignung von neuem Wissen und dessen Entfaltung

Die gewöhnlichen Übungen beim Gehirnjogging verändern nach Perkins nicht die neuronale Geschwindigkeit. Sie führen also nicht zu einem schnelleren Feuern der Neuronen. Vielmehr wird durch die Beschäftigung mit der Übung ständig neues Wissen über diese eingeholt. Mit der Zeit ändert man die Strategie, um die Übung erfolgreich bzw. schneller abzuschließen. Dies alles ist neues Wissen, welches sich wiederum auf andere Bereiche auswirken kann. Da die Übungen oft sehr abstrakt sind, lassen sich die Früchte, die man bei deren Bearbeitung ernten kann, natürlich auf verschiedenste Gebiete übertragen.

Nicht nur die üblichen Übungen

Unter Gehirnjogging versteht man in einem engen Sinne die kleinen Übungen zur Erhöhung der kognitiven Leistungsfähigkeit. In einem weiten Sinne verstanden ist Gehirnjogging aber jedwede Art von kognitiver Arbeit – sprich Gehirnbenutzung. Es ist die Aufgabe des Gehirns, neue Dinge zu lernen, da das Gehirn ein Lernorgan ist. In diesem Sinne ist die Beschäftigung mit neuen Dingen eine Art von Training für das Gehirn. Wenn das Gehirn nicht benutzt wird, so beginnt das ökonomische Organ damit, neuronale Verbindungen und Nervenfasern abzubauen. Die Folge ist der Verlust von Erinnerungen und kognitiver Leistungsfähigkeit. Wird das Gehirn jedoch genutzt, so bauen sich stetig neue Nervenfaserverbindungen auf. Auch neue Gehirnzellen entstehen mittels Neurogenese. Früher ging man davon aus, dass keine neuen Nervenzellen im Hirn entstehen könnten, da die Teilung von Neuronen die Zerstörung des neuronalen Netzwerkes zur Folge hätte. Dies ist auch soweit richtig, jedoch können sich neue Zellen, die an einer anderen Stelle aus Stammzellen entstanden sind, in das Nervengeflecht einfügen. Die Zahl an Nervenzellen kann also sehr wohl zunehmen, aber eben auch abnehmen, wenn das Gehirn nicht benutzt wird bzw. falsch gelernt wird. Gehirnjogging ist dabei eine gute Methode, um die Neurogenese zu aktivieren.

Warum sollte man also Gehirnjogging betreiben?

Das Gehirn wird durch das Betreiben aktiv gehalten. Die speziellen Übungen trainieren das Gehirn dabei in verschiedenen Bereichen, wie Konzentration, Aufmerksamkeit, indem neues Wissen gesammelt wird. Mit der Zeit entstehen neue Methoden zur Lösung von Aufgaben. Das gesammelte Wissen und die Methoden zur Aufgabenlösung können auf andere Bereiche übertragen werden, die kognitive Leistungsfähigkeit wird erhöht. Ähnliche Aufgaben werden viel leichter zu lösen sein, da man mit deren Logik vertraut ist. Gleichzeitig wird bei der Benutzung des Gehirns die Neurogenese gesteigert, wodurch sich neue Nervenzellen in das neuronale Netzwerk einfügen können und der Pegel an „guten“ Neurotransmittern (Dopamin, Serotonin) im Gehirn steigt. Dies führt zu Ausgeglichenheit und guter Laune; das Lernen macht Spaß.

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