Von Oktober bis Ostern mit Winterreifen sicher unterwegs

Winterreifen sind keine Pflicht, bieten aber viel Sicherheit (Quelle: Bigstock-ID-19002857-by-Blaz Kure)Foto ©Bigstock

Der Winter steht vor der Tür – und damit auch das mehr oder weniger leidige Thema „Winterreifen“: Wann sollten letztere am besten aufgezogen werden? Gilt die alte Regel „O bis O“ überhaupt noch? Wer sollte den Wechsel vornehmen, oder kann man sich diesen gänzlich sparen, indem man auf Ganzjahres- beziehungsweise Allwetterreifen umsteigt. Und wie gestaltet sich dies versicherungstechnisch, im Falle eines Unfalls. Was sagt der Gesetzgeber zu Winterreifen – besteht eine Verpflichtung sein Auto mit Winterreifen auszustatten?

Mit der „O-bis-O-Regel“ auf der sicheren Seite

Die alte „O-bis-O-Regel“, wonach das Auto von Oktober bis Ostern mit Winterreifen bestückt sein sollte, gilt im Prinzip auch heute noch – selbst bei einem vergleichsweise warmen November. Letzterer scheint ohnehin eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Zu schnell kann es nämlich aus heiterem Himmel zu Schneefall und Glatteis kommen. Wie auch immer – mit der Maxime „O bis O“ ist man immer auf der sicheren Seite. Der Gesetzgeber hat allerdings bis heute keinen bestimmten Zeitpunkt definiert, zu dem die Autos mit Winterreifen ausgerüstet sein sollten. Generell vorgeschrieben ist lediglich, dass bei Schneematsch, Schneeglätte bis hin zu Glatteis oder vergleichbaren winterlichen Verhältnissen Winterreifen aufgezogen sein müssen (vgl. § 2 Absatz 3a StVO). Sowohl alle Winter- als auch Ganzjahresreifen (auch Allwetterreifen genannt), welche mit dem M+S-Symbol versehen sind, genügen den gesetzlichen Anforderungen. Dasselbe gilt auch für Reifen, die mit dem Bergpiktogramm/Schneeflocke gekennzeichnet sind. Wer sich bei den genannten Straßenverhältnissen mit Sommerreifen auf den Weg macht, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro sowie einem Punkt in der Verkehrssünderkartei rechnen. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer sind sogar 80 Euro fällig. Und wer gar einen Unfall verursacht, muss sich auf die Zahlung von 120 Euro einstellen.

Reifenwechsel selbst vornehmen?

Wer hat nicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt, selbst die Reifen zu wechseln. Damit kein Irrtum aufkommt: Wer von Reifenwechsel spricht, meint im Prinzip Radwechsel, handelt es sich doch lediglich um ein sogenanntes Umstecken von Reifen auf Felgen. Somit werden also beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen komplette Räder getauscht. Im Gegensatz zum Reifenwechsel kann man sich an einen Radwechsel selbst heranwagen: Dazu einfach den Wagen anheben, zum Beispiel mit einem Wagenheber, anschließend die Radmuttern mit einem Drehmomentschlüssel oder ähnlichem Werkzeug lösen. Neuen Reifen samt Felge aufziehen und die Radmuttern wieder fest anziehen. Das normale Drehmoment bei den Muttern am Reifen liegt zwischen 11 Nm und 120 Nm. Einen originären Reifenwechsel sollte man hingegen den Profis in der Kfz-Werkstatt überlassen, kommt es doch hier zum Aufziehen eines anderen Reifens auf die Felge.

Versicherungsschutz im Falle eines Unfalls mit Sommerreifen

Keine Frage: Wer bei Glatteis und Schnee unterwegs ist, ist verpflichtet mit Winter- oder Ganzjahresreifen zu fahren – so schreibt es der Gesetzgeber vor. Eine immer wieder gestellte Frage bezieht sich auf den Versicherungsschutz der Autofahrer im Falle eines Unfalls – erlischt dieser, wenn Autofahrer im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind und einen Unfall verursachen? Nach Aussage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bleibt der Haftpflichtschutz in diesem Fall bestehen. Das bedeutet: Es kommt zu einer Erstattung des Schadens dem Unfallopfer gegenüber. Beim Vollkaskoschutz hingegen, der sich auf den Schaden am eigenen Auto bezieht und diesen abdecken soll, kann es anders aussehen. Hier kann es durchaus zu einer Kürzung der Zahlung durch die Versicherung kommen, sollte der Autofahrer fahrlässig gehandelt haben, indem er mit Sommerreifen im Winter unterwegs war.

Ganzjahresreifen vs. Winter-/Sommerreifen

Warum nicht gleich zu Ganzjahres- oder Allwetterreifen wechseln? Dann entfiele zumindest der lästige Reifenwechsel. Stellt die Umrüstung auf Ganzjahresreifen wirklich eine sinnvolle Alternative dar? Ja, in einigen Fällen lohnt sich ein Umstieg auf die Ganzjahresvariante durchaus. Wer zum Beispiel in einem Gebiet wohnt, welches von winterlichen Verhältnissen weitgehend verschont bleibt, fährt mit Ganzjahresreifen gut. Wer also vornehmlich im Flachland und generell wärmeren Gebieten beheimatet und unterwegs ist, sollte einen Allrounder unbedingt in Erwägung ziehen. Wenn dieser Reifentyp zwar den Spezialreifen bei auftretendem Schnee unterliegt, so verfügt er gleichwohl über einen ähnlichen Grip sowie eine vergleichbare Traktion. Auch wer nicht besonders viel fährt, ist mit Ganzjahresreifen gut bedient: Für Fahrzeuge mit einer Jahreskilometerleistung von weniger als 10.000 km kommen diese Reifen absolut in Betracht. Selbst der höhere Verschleiß rechnet sich, würden doch die Kosten für einen Reifenwechsel vergleichsweise hoch ausfallen. Zudem sollten Reifen älteren Datums ohnehin nicht mehr zum Einsatz kommen. Grundsätzlich empfiehlt sich der Einsatz von Ganzjahresreifen auch, wenn das Auto über eine nicht allzu starke Motorisierung – weniger als 100 PS – verfügt. Erst wenn die Motorleistungen darüber liegen, sollte auf Winter- und Sommerreifen umgerüstet werden. Dies vor allem deshalb, weil Allwetterreifen das Übertragen der Leistung auf die Straße nicht so gut gelingt wie den beiden anderen Reifentypen. Grundsätzlich stellen Ganzjahres- oder Allwetterreifen eine gute Alternative dar, wenngleich man mit Winter- und Sommerreifen in der Regel sicherer und auch besser fährt.

Keine Pflicht zu Winterreifen

Seit der Änderung der Straßenverkehrsordnung sind nicht wenige Kraftfahrer hierzulande irritiert, wenn es heißt, dass die Bereifung eines Fahrzeuges an die Wetterverhältnisse anzupassen ist. Hieraus leiten einige die Pflicht zu Winterreifen ab. Damit liegen sie jedoch falsch – Ganzjahres- oder Allwetterreifen sind durchaus zulässig: Wo es wenig schneit, stellt also auch diese Reifenvariante eine adäquate Bereifung dar. Der Gesetzgeber fixiert hier keine spezielle Bereifung. Wer sich zum Kauf von Allwetterreifen entschließt, sollte nach dem Schneeflockensymbol (Alpine Symbol) Ausschau halten, damit das Fahren im Winter nicht zur unerwünschten Abenteuerfahrt wird.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 19002857 by Blaz Kure

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