Was muss man als Selbstständiger alles bedenken

Start-up: In der Gründerphase helfen Finanzierungen z.B. der KFWFoto ©Bigstock

Zuerst müssen Sie sich darüber informieren, ob es sich bei der geplanten Tätigkeit um ein Gewerbe handelt, oder sie unter einen freien Beruf fällt. Freie Berufe haben künstlerische, erzieherische, wissenschaftliche oder schriftstellerische Tätigkeiten zum Inhalt, für die eine spezielle Eignung oder Ausbildung erforderlich ist. 

Wie gebe ich mein Gewerbe beim Finanzamt an?

Bei einem freien Beruf reicht ein formloses Anschreiben an das Finanzamt, indem der neue Freiberufler dieses über die Aufnahme der Tätigkeit informiert. Im Anschluss erhält er ein Formular, das er ausfüllen und zurücksenden muss, um als Freiberufler registriert zu sein. Dies ist auch dann notwendig, wenn die freiberufliche Tätigkeit lediglich als Nebenbeschäftigung ausgeführt werden soll. Es kann notwendig sein, die Eignung nachzuweisen. Zudem ist für einige Berufe die Mitgliedschaft in berufsständischen Kammern Pflicht. Sie überwachen die Einhaltung des Berufsrechts. Betroffen sind vor allem Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte und Architekten.

Wird die Tätigkeit hingegen als Gewerbe angesehen, muss sie vor der Aufnahme beim Gewerbeamt angemeldet werden. Um einen Gewerbeschein zu erhalten, reichen der Personalausweis und die wichtigsten Eckdaten des Betriebes wie Adresse, Telefonnummer, Bezeichnung und Rechtsform aus. Er wird beim Gewerbeamt beantragt und kostet in der Regel weniger als 50 €. Bei Vertrauensgewerben wie Autohändler oder Reisebüros wird zusätzlich die Zuverlässigkeit des zukünftigen Gewerbetreibenden geprüft. Hierfür sind ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister notwendig. Zudem können einzelne Gewebe wie Apotheken, Spielhallen, viele Handwerksberufe und Anlageberatertätigkeiten einer zusätzlichen Genehmigung bedürfen.

Da die Lage darüber, welche Art von Gewerbe welche Voraussetzungen erfüllen muss, vergleichsweise verwirrend ist, empfiehlt es sich, zunächst die Auskunft der zuständigen Handelskammer oder des Gewerbeamtes einzuholen, bevor die Planung weiter voranschreitet.

Welche Vor- und Nachteile hat die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung ist eine Erleichterungsvorschrift für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, die nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn sie im vorangegangenen Jahr 17.500 € nicht überschritten hat und im aktuellen Jahr 50.000 € nicht übersteigen wird.

Die Vorteile sind:

  • Leichter Wettbewerbsvorteil bei Warenein- und verkauf, da die Umsatzsteuer nicht an die Kunden weitergegeben werden muss
  • Vereinfachte Buchführung

Die Nachteile der Kleinunternehmerregelung sind:

  • Offenlegung gegenüber dem Kunden, dass die Umsätze unter 17.500 € liegen. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Selbstständigen sinkt
  • Bei Anschaffungen ohne Kleinunternehmerregelung muss durch die Vorsteuer nur der Nettobetrag des erworbenen Gegenstandes finanziert werden

Ob sich die Kleinunternehmerregelung lohnt, hängt deswegen von der Kundengruppe ab, wie hoch die Betriebsausgaben sind und ob Waren ein- und verkauft werden. Die Entscheidung will gut überlegt sein: Wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, ist an diese Entscheidung für fünf Kalenderjahre gebunden. Kleinunternehmer, die den Jahresumsatz überschreiten, fallen allerdings automatisch aus der Regelung heraus. Bei der Bemessung muss übrigens eine „fiktive Umsatzsteuer“ einkalkuliert werden.
Selbstständige, die die Kleinunternehmerregelung anwenden, aber dennoch Umsatzsteuer berechnen, müssen diese dennoch an das Finanzamt abführen.

Was ist die beste Versicherung für Selbstständige?

Krankenversicherung
Selbstständige sind nicht versicherungspflichtig. Das ändert natürlich nichts daran, dass die Krankenversicherung die wichtigste Absicherung für jeden Menschen darstellt. Durch die wegfallende Versicherungspflicht haben Selbstständige allerdings die Chance, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Als Faustregel gilt, dass dies umso lohnenswerter ist, je höher das Einkommen ist und umso weniger Kinder der Selbstständige hat oder plant. Auch ein guter Gesundheitszustand und ein möglichst frühes Eintrittsalter sprechen für die PKV. Allerdings sollten Selbstständige den Leistungskatalog der Versicherung genau überprüfen, bevor sie sich für eine bestimmte Versicherung entscheiden. Künstler und Publizisten sollten sich zudem um eine Aufnahme in die Künstlersozialkasse bewerben, die bei erfolgreicher Aufnahme die Hälfte aller Krankenversicherungs- und Pflegebeträge übernimmt.

Weitere Versicherungen

Je nach Berufsgruppe sind manche Versicherungen elementar, andere wiederum vernachlässigbar. Eine Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung ist jedoch für alle Branchen zu empfehlen. Um herauszufinden, welche Versicherungen ebenfalls ein Muss sind, sollten sich Existenzgründer branchenspezifisch informieren.

Benötige ich eine Verpackungslizenz?

Sobald Selbstständige Waren verschicken, müssen sie über eine Verpackungslizenz verfügen. Sonst drohen Abmahnungen und hohe Bußgelder. Die Verpackungsverordnung sieht vor, dass diejenigen, die Verpackungsmaterial in Verkehr setzen oder nur verwenden, dafür verantwortlich sind, Verpackungsabfälle möglichst zu vermeiden, die nicht vermeidbaren Verpackungen zu sammeln und anschließend entweder einer Wiederverwendung oder dem Recycling zuzuführen. Mit einer Verpackungslizenz entpflichten sie sich, geben also die Verantwortung an genehmigte Sammel- und Verwertungsanbieter, wie beispielsweise dem Grünen Punkt, ab. Dafür wird jedoch eine Lizenzgebühr fällig.

Um diese zu leisten, bleiben Selbstständige zwei Möglichkeiten: Entweder sie schließen einen Vertrag mit einem Entsorgungsunternehmen über die voraussichtliche Materialmenge in Kilo für Karton, Folie und andere Abfälle ab, oder sie kaufen vorlizensierte Verpackungen. Sie sind teurer als normale Verpackungsmaterialien, ersparen aber die Grundgebühren des Entsorgungsunternehmens. Gerade zum Beginn der Selbstständigkeit empfiehlt es sich, erst einmal auf vorlizensierte Verpackungen zurückzugreifen, da der Verbrauch anfangs noch nicht eingeschätzt werden kann und die Nachmeldegebühren vergleichsweise hoch sind.

Worauf Selbstständige bei der Steuererklärung achten sollten:
  • Die Steuerklärung muss elektronisch via Elster übermittelt werden. Dafür benötigen Selbstständige zusätzlich die Anlage S
  • Unter 17.500 € jährliche Einnahmen reicht eine formlose Einnahmen-Überschuss-Rechnung, sonst muss die Anlage EÜR ausgefüllt werden
  • Betriebsausgaben können von der Steuer abgesetzt werden. Dazu zählen Büromiete und –material, Telefongebühren, Fahrtkosten, Ausgaben für Rechtsberatung
  • Wer von zuhause arbeitet und ein Arbeitszimmer nutzt, kann dieses komplett von der Steuer absetzen. Bei teilweiser privater Nutzung kann es teilweise abgesetzt werden
  • Es ist möglich, den PKW als Betriebsvermögen einzustufen, wenn die beruflichen Fahrten mit dem Auto überwiegen. Selbstständige müssen dafür ein Fahrtenbuch führen, können dann aber auch Reparaturen, Anschaffung und Versicherung von der Steuer absetzen. Allerdings wird ein Verkauf ebenfalls besteuert
  • Zweitstudium, Fortbildungen und andere Weiterbildungsmöglichkeiten können ebenfalls abgesetzt werden
  • Beiträge zur privaten Altersvorsorge sowie Kranken- und Pflegeversicherungen können als Sonderausgaben abgesetzt werden.
  • Auch Kirchensteuer, Kosten für Kinderbetreuung und Unterhalt, Pflege von Angehörigen und Mitgliedsbeiträge können ebenfalls unter Sonderausgaben die Steuerlast mindern
  • Kleine Anschaffungen bis zu 410 können sofort angerechnet werden, wertvollere Güter werden über mehrere Jahre abgeschrieben. Anschaffungen im Wert von 150 bis 1.000 Euro können zusammengefasst und innerhalb von fünf Jahren abgeschrieben werden
  • Wer mehr als 17 500 Euro Umsatz jährlich mit seiner Selbstständigkeit verdient, muss Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Alle anderen können die Kleinunternehmer-Regelung nutzen

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