Der Terror in Paris

Der Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris (Quelle: Bigstock-ID-75569674-by-pillerss)Foto ©Bigstock

Am 07. Januar 2015 kam es im Pariser Redaktionsgebäude des Satiremagazins Charlie Hebdo zu Schüssen, in deren Folge 12 Personen getötet und etwa 20 weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Bei dem Anschlag soll es sich um eine religiös motivierte Tat handeln. Die Täter, denen ein fanatisch islamistischer Hintergrund zugeschrieben wird, sind gegenwärtig flüchtig.

Was ist am 07. Januar 2015 geschehen?

Am späten Vormittag des Mittwochs meldeten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend, dass das Bürogebäude der Zeitschrift Charlie Hebdo das Ziel eines Anschlages geworden sei. War zunächst von zehn getöteten Personen die Rede, so musste die Zahl nach der Stürmung der Räumlichkeiten durch die Polizei auf 12 erhöht werden. Offenbar wurden alle Getöteten gezielt ausgesucht. Unter ihnen befand sich mit Stéphane Charbonnier auch der Herausgeber des Magazins, der unter dem Künstlernamen „Charb“ dort mehrere islamkritische Karikaturen veröffentlicht hatte. Das gesamte Attentat wirkte kühl und strategisch berechnet. Die Beteiligten dürften sich im Umkreis des Gebäudes sehr gut ausgekannt haben und konnten somit auch unerkannt fliehen. Die genauen Umstände des Hergangs und insbesondere der Gründe sind weiterhin offen.Welche Motive können hinter dem Attentat stehen? Bei den 12 verübten Morden scheint es sich nicht um eine spontane Aktion gehandelt zu haben. So verfügten die Täter offenbar über einiges Hintergrundwissen und entschieden sich bewusst dazu, am Mittwochvormittag zuzuschlagen – dem einzigen Termin der Woche, an dem sich alle Redaktionsmitglieder der Zeitschrift wegen ihrer regelmäßigen Konferenz im gleichen Büro aufhielten. Darin sahen die Täter scheinbar auch den Grund ihrer Aggression. Bei den Redakteuren und Karikaturisten soll es sich um gezielt ausgewählte Personen gehandelt haben, die in den letzten Jahren mehrfach in Wort und Bild eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem Islam eingenommen hatten. Das geschah zwar auf satirische und damit überspitzte Weise. Dennoch sahen sich die Täter vermutlich dazu berufen, ihre Religion zu rächen – das jedenfalls äußerten sie laut Überwachungsvideos während ihrer Tat wiederholt.

Charlie Hebdo

Das Ziel des Anschlages wurde offenbar bewusst ausgesucht. Die gesamte Tat und die Flucht deuten auf eine akribische Vorbereitung hin. Gleiches gilt für die verübten Morde. So war das Büro der wöchentlich erscheinenden Satirezeitung bereits im Jahr 2011 zum Schauplatz eines Brandanschlages geworden. Die abermalig veröffentlichten Karikaturen des Magazins, die den islamistischen Propheten Mohammed verunglimpften, wurden seinerzeit als Auslöser angesehen. Auch in den Jahren 2012 und 2013 veröffentlichte Charlie Hebdo mehrfach und teilweise über viele Wochen hinweg derartige Zeichnungen, in denen der Islam als menschenverachtende, frauenfeindliche und in Blut badende Religion dargestellt wurde. Die Täter des zwölffachen Mordes sahen sich zudem als Rächer Mohammeds, stellten also einen konkreten Bezug zwischen ihren Handlungen und den Karikaturen der Zeitschrift her.

Was ist bislang über die Täter bekannt?

Zunächst stiftete der Anschlag auf das Büro der Charlie Hebdo nicht nur Trauer, sondern auch Verwirrung. So war nicht einwandfrei erkennbar, wie viele Beteiligte die Tat eigentlich durchführten. Aufgrund intensiver Ermittlungen ist nun aber bekannt, dass drei Personen den Anschlag verübt haben. Unter ihnen befand sich ein Brüderpaar, das in Frankreich geboren wurde und auch die entsprechende Staatsbürgerschaft besitzt. Die beiden Männer, 32 und 34 Jahre alt, sollen aber seit mehreren Jahren den Kontakt zu radikalen islamistischen Organisationen gesucht haben. Rätsel gibt zudem die Identität des dritten vermeintlichen Täters auf. Bei ihm handelt es sich um einen 18-Jährigen, der sich noch in der gestrigen Nacht an der französisch-belgischen Grenze den Verfolgungsbehörden stellte. Zwar wurde der Ausweis des Mannes in einem der Fluchtwagen gefunden – bestätigt ist jedoch, dass sich der Verdächtige zur Zeit des Anschlags in der Schule befand.

Welche Auswirkungen hat das Attentat auf PEGIDA?

In den vergangenen Stunden haben weltweit viele Bürgerrechtsinitiativen zu gemeinsamen Kundgebungen aufgerufen. Doch nicht jedermann teilt die Ansicht, in diesem traurigen Moment einzig Trost zu spenden und Offenheit einzufordern. Insbesondere die rechtspopulistische Vereinigung Patriotischer Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes – kurz PEGIDA – hat in ersten Statements den zwölffachen Mord bereits als Plattform für eigene Ansichten genutzt. So hielt man sich gegenüber dem Islam und den Tätern zwar noch zurück – unterschwellig wurde aber deutlich, dass die Mitglieder der PEGIDA in dem Anschlag keinen Einzelfall sehen und künftig europaweit mit einem höheren Gefahrenpotenzial durch islamistische Bürger und Gruppierungen rechnen. Insofern sind die Geschehnisse rund um Charlie Hebdo natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Angst und Hass säen. Insbesondere der PEGIDA, die sich in ihren Vorurteilen einmal mehr bestätigt fühlen dürfte.

Mit welchen Folgen des Anschlages ist zu rechnen?

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand waren die Tötungen im Büro der Charlie Hebdo lediglich der Auftakt einer Welle der Gewalt. So ist von abermaligen Schüssen in Paris die Rede. Ebenso wie von Brandanschlägen auf mehrere islamistische Organisationen in der französischen Hauptstadt. Das gesamte Ausmaß aller Taten ist somit noch nicht absehbar. Dennoch muss davon ausgegangen werden, dass rechtsgewandte Vereinigungen wie die in Deutschland ansässige PEGIDA sowie die Parteien „Alternative für Deutschland“ (AfD) und „Nationale Partei Deutschlands“ (NPD) die Anschläge nutzen werden, um weiter auf Stimmenfang zu gehen und neue Mitglieder zu gewinnen. Daneben dürfte das Attentat eine neue Diskussion über die Überwachung der Bürger auslösen – lassen sich derartige Taten mit einem besseren Sicherheitsnetz vermeiden? Die Religion des Islam rückt also einmal mehr in den Fokus der öffentlichen Betrachtung und Meinungsbildung. Auch wenn es sich bei den Tätern um einzelne Fanatiker gehandelt haben mag.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 75569674 by pillerss

Ähnliche Beiträge