Der Teldafax-Prozess

Für die Angeklagten im Teldafax-Prozess steht ihre Freiheit auf dem Spiel (Quelle: Bigstock-ID-4633750-by-zimmytws)Foto ©Bigstock

Im Juni 2011 ging der Energieversorger Teldafax insolvent und erregte aufgrund der hohen Anzahl der Gläubiger großes Aufsehen. Seit dem 26.01.15 müssen sich nun die drei ehemaligen Manager von Teldafax Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch vor der Wirtschaftsstrafkammer des Bonner Landgerichts verantworten. Vorgeworfen wird ihnen Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug und Bankrotthandlungen.

Teldafax – das Unternehmen

Teldafax wurde 2002 gegründet und wurde durch die Übernahme verschiedener Unternehmen zur TelDaFax Holding AG mit Sitz in Troisdorf. Seit 2007 bot das Unternehmen Strom und Gas zu vergleichsweise günstigen Konditionen an. Innerhalb weniger Jahre ist das Unternehmen zu einem der größten Energieanbieter Deutschlands aufgestiegen und zählte in ihren Spitzenzeiten 600 Mitarbeiter und mehr als 700.000 Kunden. Den schnellen Markterfolg verdankte Teldafax ihren billigen Angeboten für Strom und Gas. Finanziert wurden die günstigen Tarife durch die Vorauszahlungen der Kunden, wobei diese oft ihren gesamten Jahresverbrauch im Voraus bezahlten. Teilweise wurden Strom und Gas sogar unter dem Einkaufspreis verkauft; Verluste hat das Unternehmen dabei billigend in Kauf genommen. Am 14.06.2011 meldete Teldafax Insolvenz an, nachdem es schon längere Zeit überschuldet und zahlungsunfähig war. Gemessen an der Zahl der über 700.000 Gläubiger war die Teldafax-Pleite 2011 die bis dahin größte Unternehmensinsolvenz und erregte aufgrund der hohen Anzahl an geschädigten Kunden viel Aufmerksamkeit.

Anklage der Staatsanwaltschaft

Bereits Mitte 2009 war Teldafax nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zahlungsunfähig und überschuldet. Dies geht aus internen Unterlagen hervor, in denen die Beschuldigten die Überschuldung des Unternehmens feststellten. Demnach hätten die Angeklagten also von der prekären finanziellen Lage gewusst. Laut Anklage hätte innerhalb von drei Wochen nach Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzantrag gestellt werden müssen. Dies sei jedoch versäumt worden. Stattdessen sollen die Manager neue Kunden mit Strom- und Gastarifen gelockt haben, die nicht kostendeckend gewesen seien. Dies sei geschehen, um dem Unternehmen Liquidität zu verschaffen. Das Geld wurde von den Kunden in Vorkasse einkassiert, jedoch bekamen die Kunden aufgrund der Insolvenz keine Gegenleistung für ihr Geld. Dies wertet die Staatsanwaltschaft als Betrug. Zudem habe auch die vorübergehende Liquidität nichts an der permanenten Unterdeckung geändert. Die Anklage wirft den früheren Teldafax-Mangern außerdem vor, dass die Geschäftsbücher nicht ordnungsgemäß geführt worden seien. Seit 2008 sei keine ordentliche Bilanz mehr für die Teldafax-Holding aufgestellt worden. Laut Staatsanwalt Klingberg entspräche die Buchhaltung in keiner Weise den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung. Zur Zeit der Insolvenzanmeldung hatte Teldafax etwa 700.000 Kunden. Der Schaden beläuft sich nach Ermittlungen des Insolvenzverwalters Dr. Biner Bähr auf 500 Millionen Euro. Bei einem Urteil drohen den Angeklagten Haftstrafen von mehr als fünf Jahren.

Die Angeklagten

Angeklagt sind die drei ehemaligen Manager von Teldafax: Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch. Michael Josten war von 2004 bis 2007 Vorstandsvorsitzender und hat das Unternehmen auf den Energiemarkt gebracht. Klaus Bath leitete das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender von 2007 bis 2011. Gernot Koch war erst in den letzten Wochen vor der Insolvenzanmeldung im Juni 2011 Vorstandsvorsitzender von Teldafax. Michael Josten war vor seiner Managertätigkeit bei Teldafax in der Secur-Finanz-Gruppe tätig. 2007 wurde er vom Landgericht Mannheim zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt: wegen Gläubigerbegünstigung und Untreue in 176 Fällen. Bei Teldafax – so die Anklage im Teldafax-Verfahren – soll Michael Josten auch zu der Zeit noch die Fäden in der Hand gehabt haben, als bereits Klaus Bath und Gernot Koch Vorstandsvorsitzende waren.

Der Prozess: 1. Versuch

Bereits im Februar 2014 wurde der Prozess gegen die drei ehemaligen Teldafax-Manager eröffnet, jedoch schon nach zwei Verhandlungstagen wegen einer sogenannten Besetzungsrüge der Verteidigung abgebrochen. Da die Gerichte zu der Zeit überlastet waren, war für das Teldafax-Verfahren eine Hilfskammer eingerichtet worden. Ein solches Gericht darf allerdings nur für kurzfristige Angelegenheiten eingesetzt werden, nicht aber für ein längerfristiges Verfahren. Um keinen Revisionsgrund zu liefern, erklärte sich die Hilfskammer daher für nicht zuständig.

Zum aktuellen Verfahren

Den Vorsitz über das aktuelle Verfahren gegen die früheren Teldafax-Vorstände führt Marc Eumann, Mitglied im Bezirksrichterrat, der bekannt ist für spektakuläre Urteile. Nur in 241 ausgewählten Fällen erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gewerbsmäßigem Betrug – aus verfahrenseffizienten Gründen, denn die Zahl der tatsächlich Geschädigten soll laut Staatsanwaltschaft im mittleren fünfstelligen Bereich sein. Etwa 100 Zeugen sollen von der Staatsanwaltschaft geladen werden. Bis August 2015 sind für den Prozess 33 Verhandlungstage angesetzt. Man rechnet allerdings allgemein damit, dass das Verfahren nicht vor Ende des Jahres 2015 beendet ist. Von den Angeklagten will bisher nur Gernot Koch aussagen, da ihm die Staatsanwaltschaft im Falle einer umfassenden Aussage ein milderes Urteil in Form einer Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt hat. Michael Josten und Klaus Bath wollen sich zu den Vorwürfen bisher nicht äußern. Zahlreiche Zivilklagen gegen die ehemaligen Teldafax-Manager sind bis zum Abschluss des Bonner Strafprozesses ausgesetzt. Sollte es in diesem Verfahren zu einem Schuldspruch kommen, steigen nach Ansicht von Experten die Aussichten, auch zivilrechtliche Schadenersatzklagen durchsetzen zu können. Allerdings dürfte das Vermögen der Manager kaum reichen, um die Schadenersatzansprüche sämtlicher Gläubiger abzudecken. Damit ist die Aussicht gering, dass geschädigte Kunden ihr Geld zurückbekommen.

 

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