Garnelen im Wohnzimmer

Reine Garnelen-Aquarien werden immer beliebter (Quelle: Bigstock-ID-2952409-by-S_E)Foto ©Bigstock

In der Aquaristik zeichnet sich seit einiger Zeit ein interessanter Trend ab: Immer mehr Menschen setzen in ihren Unterwasserwelten für das Wohnzimmer oder Büro Garnelen statt Fische ein. Die je nach Gattung eher bodennah oder freischwimmend lebenden Kleinkrebse faszinieren Aquarienbesitzer offenbar so sehr, dass sie inzwischen zahlreiche kleine und große Glasbecken füllen. Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus dem ungewöhnlichen Äußeren der Tiere und ihrer absoluten Genügsamkeit, die Garnelen als Aquarienbewohner so beliebt macht. Experten empfehlen die Vielfüßer sogar ganz speziell für Aquaristik-Anfänger, da ihre Haltung vergleichsweise einfach ist.

Der Siegeszug der Garnele als Aquarienbewohner

Begonnen haben die Garnelen ihre Karriere in hiesigen Wohnzimmern als Nebendarsteller: Sie wurden anfangs vor allem eingesetzt, um gegen den größten Feind aller Aquarienbesitzer anzugehen – Algen. Dafür eignen sich die wirbellosen Krebstiere ideal, denn sie vertilgen die lästigen Algen und helfen so dabei, das Aquarium sauber zu halten. Doch neben schillernden Fischen aller Art wurden die oftmals sehr zarten, transparent wirkenden Garnelen kaum als echte Attraktion im Aquarium wahrgenommen. Das änderte sich jedoch, seit der Trend zum Naturaquarium aufgekommen ist. Federführend verantwortlich für diesen Trend zeichnet der japanische Aquarianer und Naturfotograf Takashi Amano. Und er war es auch, der die Garnele vom Neben- zum Hauptdarsteller der Aquarien beförderte. Für sein Engagement bekam er erstens große Aufmerksamkeit aus der Aquarianer-Gemeinde – und zweitens eine eigens nach ihm benannte Garnelenart – die Amanogarnele. Neben dem gestiegenen Bewusstsein dafür, mit einem Heimaquarium die ganze Vielfalt des Lebens unter Wasser repräsentativ abzubilden, ist auch ein anderer Trend für die wachsende Popularität der Garnelen (die übrigens in Asien als Delikatesse gelten) in Aquarien verantwortlich: der Trend zu sogenannten Nanoaquarien. Diese vergleichsweise winzigen Becken gelten aktuell als besonders angesagt – und die anspruchslosen Garnelen machen sich in solchen Aquarien besser als viele Fischarten. Aufgrund ihres stetigen Siegeszuges ist auch die Vielfalt an Garnelenarten und vor allem an Farbgebungen der filigranen Tierchen in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Das ermöglicht es Hobby-Aquarianern, ihre Unterwasserwelten auch farblich passend zur Umgebung zu gestalten. Dabei zeichnen sich die Krebstiere vor allem durch sehr knallige, auffällige Farbgebungen aus, die oft in einem wunderschönen Kontrast zu farbigen Böden im Aquarium brillieren.

Die Haltung von Süßwassergarnelen im Aquarium

Neben gemischter Aquarienbesetzung, bei der neben Garnelen auch Fische und Schnecken gehalten werden, etablieren sich sogenannte Artaquarien immer stärker. Damit werden Becken bezeichnet, in denen nur eine einzige Art gehalten wird und alle Bedingungen auf deren Bedürfnisse ausgerichtet werden. Garnelenarten sind die perfekte Besetzung für derartige Aquarien, vor allem, wenn man die Tiere züchten möchte. Denn selbst in Gemeinschaft mit nicht räuberischen Fischen werden die winzigen Garnelenlarven in gemischt besetzten Gemeinschaften häufig Opfer der anderen Aquarienbewohner. Für ein Artaquarium spricht auch die Tatsache, dass Fische durch ihre schnellen und hektischen Bewegungen oftmals dafür sorgen, dass sich die Garnelen in dicht bepflanzte Bereiche zurückziehen – wo sie natürlich weder zur Geltung kommen noch beobachtet werden können. Ansonsten benötigt eine Garnelenpopulation nicht viel zum Glücklichsein: Mit der richtigen Einrichtung und Wassertemperatur sind bereits die wichtigsten Voraussetzungen für das Halten von Süßwassergarnelen geschaffen. Das Becken sollte viele Möglichkeiten zum Rückzug für die scheuen Tiere bieten – beispielsweise durch Steine und Wurzelhölzer. Die optimale Wassertemperatur unterscheidet sich je nach Art – viele Garnelen können bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad gehalten werden. Hohe Wassertemperaturen vertragen die meisten Arten jedoch eher schlecht. Auch vom Platz her sind die Krebstierchen wenig anspruchsvoll: Die Beckengröße für das Halten von Zwerggarnelen sollte jedoch mindestens 25 Liter betragen. Außerdem gilt es, die CO2- und Nitratwerte im Wasser zu überwachen, da Garnelen an diesem Punkt sehr empfindlich auf erhöhte Werte reagieren. Deshalb wird auch ein regelmäßiger Wasserwechsel empfohlen: Ein Viertel bis ein Drittel des Wassers im Aquarium sollte wöchentlich ausgetauscht werden.

Das Futter

In Sachen Futter sind Garnelen vergleichsweise genügsam: Da sie ohnehin ständig Algen, Einzeller und Bakterien aus dem Wasser filtern, benötigen sie recht wenig zusätzliche Nahrung. Rund alle zwei Tage sollte jedoch etwas spezielle Futtermischung für Garnelen ins Aquarium gegeben werden, um die Tiere mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Die Krebstiere haben vor allem aufgrund der regelmäßigen Häutungen während ihres Wachstums einen hohen Bedarf an Proteinen und Mineralien. Ein Tipp zur Garnelen-Ernährung: Sauberes Herbstlaub aus dem Wald oder Garten kann wertvolle Nahrung für die vielfüßigen Aquarienbewohner sein – vor allem, wenn es als Aufzuchtnahrung für den Nachwuchs eingesetzt wird. Darüber hinaus wirkt das Laub keimhemmend im Aquariumswasser.

Verschiedene Garnelenarten für das Aquarium

Die für Aquarien angebotenen Arten sind sämtlich Süßwassergarnelen. Hauptsächlich kommen zur Besetzung von Garnelen-Aquarien heute zum Einsatz:

  • Zwerggarnelen
  • Fächergarnelen
  • Großarmgarnelen 
Großarmgarnelen

Letztere sind in der Regel nicht zur Haltung mit anderen Garnelen oder Fischarten geeignet, da viele Großarmgarnelen-Arten räuberisch sind. Wer diese Tiere halten möchte, sollte also eher zu einem Artbecken greifen, wo sich idealerweise ein Männchen mit mehreren Weibchen zusammen halten lässt. Weitere Männchen in der Population der Großarmgarnelen würden vom dominanten Tier unterdrückt werden.

Fächergarnelen

Für Aquarien mit starken Strömungen sind Fächergarnelen gut geeignet. Sie sind darauf spezialisiert, sich auch bei starker Strömung fest am Boden zu halten. Mit ihren namensgebenden Fächern an den ersten Schreitbeinpaaren sammeln sie ihre Nahrung aus der Strömung.

Zwerggarnelen

Die verbreitetste Garnelenart für Aquarien sind Zwerggarnelen. Sie kommen in unterschiedlichen Gattungen vor – am häufigsten werden Neocaridina und Caridina zum Besatz von Gesellschafts- oder Artaquarien gewählt. Sie sind auch besonders aktiv: Auf der Suche nach Nahrung sind diese kleinen Garnelen ständig im ganzen Becken unterwegs und „grasen“ auch bevorzugt die Oberfläche ab. Mit einer Größe von maximal bis zu fünf Zentimetern sind sie auch für kleine Beckengrößen geeignet und kommen ihrerseits gut mit anderen Arten aus.

 

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