Die Spiegelreflexkamera – Und wer wirklich eine braucht

Spiegelreflexkameras sind nützlich, aber kein Muss für tolle BilderFoto ©Bigstock

Entwicklungstechnisch gesehen, war die Spiegelreflexkamera eigentlich eine Notlösung, bis sich etwas Besseres findet. Das hört sich vielleicht etwas komisch an, da die Spiegelreflexkamera in den letzten Jahrzehnten vor der digitalen Revolution als die Spitze der Fotografietechnik betrachtet wurde. Aber warum gab es überhaupt diesen Weg zur Aufnahme von Fotografien? 

Der abgeschnittene Kopf

Die ersten Plattenkameras waren so eingerichtet, dass zuerst das Motiv ausgewählt und anschließend das lichtempfindliche Fotomaterial im abgedunkelten Fotokasten über die Linse belichtet wurde. Das erforderte vor allem vom Motiv eine sehr lange Unbeweglichkeit. Nicht umsonst finden sich bei sehr alten Fotografien fast nur Porträtaufnahmen, bei denen die abgelichteten Personen wie Schaufensterpuppen wirken. Jede Bewegung hätte zu Unschärfe geführt und die lichtempfindliche Schicht benötigte oft mehrere Sekunden für eine gelungene Aufnahme. Damals stimmten Motivauswahl und Fotografie immerhin noch überein. Mit Erfindung des Rollfilms kam eine neue Art der Kamera auf den Markt, die zwar höhere Flexibilität erlaubte, aber aus zwei getrennten Elementen bestand. Einmal der Sucher, in dem der Fotograf das Motiv auswählte und einmal die meist etwas darunter angeordnete Linse, über die der Rollfilm belichtet wurde. Dieser Abstand zwischen Sucher und Linse von bis zu mehreren Zentimetern sorgte in der Folge für unzählige Fotografien, bei denen der Fotograf nach der meist mehrtägig dauernden Entwicklung feststellen musste, das entweder der Kopf oder die Beine bei Porträtaufnahmen abgeschnitten waren. Der Sucher der Kamera stimmte mit dem in der Linse befindlichen Ausschnitt nicht überein. Erfahrene Fotografen glichen dieses Manko durch Erfahrung aus, aber es war natürlich keine optimale Lösung.

Die Idee der Spiegelreflexkamera

Technisch gesehen wurde die Spiegelreflexkamera bereits im 19. Jahrhundert entwickelt. Tatsächlich angewendet jedoch erstmalig in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als eine Lösung für das Problem der Sucherkameras notwendig wurde. Das Funktionsprinzip der Technik einer Spiegelreflexkamera liegt in einem klappbaren Verschluss, der über ein Spiegelsystem das Bild der Linse oder des Objektivs zum Sucher der Kamera leitet. Der Fotograf sieht also über die Spiegel das Bild, das im Objektiv und damit später auf dem Rollfilm zu sehen ist. Wird der Verschluss ausgelöst, klappt das Spiegelsystem für die Zeit der Belichtung nach oben und gibt die Öffnung zum Film frei. Darum wird der Sucher während des eigentlichen Fotografierens mit einer Spiegelreflexkamera auch Dunkel. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die technischen Details der Spiegelreflexkamera immer ausgefeilter und vor allem die Verschlusszeiten wurden praktisch ständig beschleunigt, um gerade bei beweglichen Objekten gute Aufnahmen erzeugen zu können. Dazu kommt eine Vielzahl an Kamerasystemen mit entsprechenden Objektiven, die vor allem den Ansprüchen professioneller Fotografen Rechnung trugen.

Die digitale Revolution

Mit der Entwicklung von Digitalkameras fiel eigentlich die hauptsächliche Problematik des Suchers und der Linse weg. Eine Digitalkamera arbeitet nicht mit lichtempfindlichem Material, sondern mit elektronischen Speichermedien. Die Aufnahme ist im eigentlichen Sinne der Fotografie keine Aufnahme mehr, sondern das Abspeichern eines digitalen Datenstroms zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der „Verschluss“ einer Digitalkamera ist im Betrieb immer geöffnet und zeichnet über den Bildsensor und die Linse das Bild der Umgebung auf. Durch den dazugehörigen Monitor kann der gewünschte Ausschnitt gewählt und durch den Auslöser abgespeichert werden. Das Spiegelsystem der Spiegelreflexkamera ist folglich nicht mehr notwendig. Was sich hier so einfach anhört, benötigte gerade in den Anfangszeiten der Digitalkameras jedoch eine lange Entwicklungszeit und der Übergang von der Spiegelreflexkamera zur digitalen Systemkamera ist schon aufgrund der noch im Umlauf befindlichen Spiegelreflexsysteme längst nicht abgeschlossen. Nicht wenige Fotografen schwören zudem auf die Nutzung lichtempfindlicher Materialien zur Herstellung von Fotografien, was wiederum die Nutzung von Spiegelreflexkameras beinhaltet.

Welches System ist besser

Während professionelle Fotografen auf ihr jeweiliges System schwören, benötigt der Laie in der Regel die Kamera für Momentaufnahmen und Schnappschüsse und hat die Auswahl aus hunderten, wenn nicht tausenden verschiedenen Digitalkameras oder Spiegelreflexkameras. Welches System für den Laien besser geeignet ist, lässt sich nicht mit zwei Worten klären. Wer bereits über Jahre mit seiner oder ihrer Spiegelreflexkamera vertraut ist, wird sich einen eventuellen Umstieg auf digitales Equipment trotz aller damit verbundenen Bequemlichkeit lange überlegen, da selbst eine Amateurausrüstung oft genug eine gehörige Investition darstellt. Zudem bedeutet digitales Equipment nicht automatisch bessere Bilder und die Umgewöhnung benötigt Zeit.

Digital ist nicht gleich digital

In den Anfängen der Digitalkameras lieferten sich die Hersteller einen wahren Pixelkrieg. Sieger war immer das Unternehmen, das gerade die Kamera mit den meisten Megapixeln anbieten konnte, wobei das Ergebnis dieses Pixelkrieges oft mehr als unbefriedigend war. Inzwischen besitzt die Anzahl der Pixel zwar nach wie vor eine hohe Bedeutung, da sich daraus die rechnerische Auflösung ergibt, aber genauso wichtig ist die Größe des eingebauten Bildsensors und die Qualität der vorgeschalteten Linse beziehungsweise Objektiv. Eine Digitalkamera mit 20 Megapixeln muss also keineswegs bessere Bilder als eine 12 Megapixel-Kamera liefern. Gute Spiegelreflexkameras können bezüglich der Detailschärfe von Aufnahmen mit Digitalkameras locker mithalten oder sind teilweise sogar deutlich überlegen. Dies basiert hauptsächlich auf der Menge an verschiedenen Objektiven, die für Spiegelreflexkameras zur Verfügung stehen.

Lohnt sich heute eine Spiegelreflexkamera?

Wer seinem Hobby mit außergewöhnlichen Ergebnissen frönen und ein bisschen Geld auf der hohen Kante hat, ist mit einer Spiegelreflex-Kamera gut bedient. Die Spiegelreflexfotografie bietet den Vorteil des größeren Spielraums zum Experimentieren. Während die Digitaltechnik mehr und mehr in den Alltag integriert wird, zeigt sich der Umgang mit Rollfilmen, Fotopapier und vielleicht auch dem eigenen kleinen Fotolabor als handwerkliche Herausforderung, die ihren eigenen Reiz besitzt. Aber Vorsicht. Das beginnt oft mit einer kleinen Investition und ufert dann nicht selten aus.

Was kostet der Spaß?

Wie bereits erwähnt, kann eine gute Spiegelreflexkamera schon ab 250 – 300 Euro erworben werden. Das ist aber nicht alles. Je nach Anspruch kommen weitere Ausrüstungsgegenstände dazu. So gehören als Grundausstattung zur Spiegelreflexfotografie etwa folgende Elemente dazu:

 

  • Kamera
  • Ein Zoomobjektiv
  • Ein Weitwinkelobjektiv
  • Ein Mehrbereichsobjektiv
  • Ein Stativ
  • Eine Kameratasche

Das ganze lässt sich beliebig etwa mit externen Blitzgeräten und anderem Equipment erweitern. Die Kosten für die Ausrüstung sind hauptsächlich abhängig von den Preisen für die Objektive, die etwa bei 100 Euro beginnen und bei über 10.000 Euro noch nicht enden. Wer rund 1000 Euro investiert, ist für die Spiegelreflexfotografie schon gut gerüstet.

Die Auswahl der Kameras und des Equipments

Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Spiegelreflexkameras wie auch Digitalkameras kann die Suche nach der „richtigen“ Kamera etwas umständlich werden. Am sinnvollsten ist es, die im Internet praktisch ständig aktualisierten Tests der verschiedenen Verbraucherportale zu diesem Thema zu betrachten.

 

Bildquelle: l i g h t p o e t/Bigstock.com

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