Naturkatastrophen: Hindernis Hilfe

Viele Organisationen auf engem Raum setzt eine gute Verteilung und Strukturierung vorausFoto ©Bigstock

Das Erdbeben aktuell in Nepal zeigt einmal mehr die Hilflosigkeit besonders der ärmeren Bevölkerungsschichten bei solchen Naturkatastrophen. Über 7000 Tote, mehr als 14.000 Verletzte und Millionen Menschen, die ihre gesamte Existenz in wenigen Minuten verloren haben. Nicht nur das Erdbeben aktuell in Nepal trifft einmal mehr eine Region, die so oder so schwach strukturiert ist und deren Bevölkerung auch ohne Naturkatastrophen einen täglichen Kampf um das Überleben führt. Das Gleiche trifft beispielsweise auch auf die Menschen in Haiti zu, die im Jahr 2010 eine ähnliche Katastrophe erlebten und das bitterarme Land in der Entwicklung noch weiter zurück warf. Noch heute, fünf Jahre nach dem Beben leben nach wie vor tausende Menschen in Notunterkünften, die teilweise jeder Beschreibung spotten. 

Das Erdbeben aktuell und Hilfsorganisationen

Wie in Nepal, Haiti oder anderen Gebieten der Erde, in denen es zu Erdbeben oder anderen Naturereignissen kam und davon viele Menschen in Mitleidenschaft gezogen wurden, sind weltweit eine große Anzahl von Hilfsorganisationen bereit, vor Ort Hilfe zu leisten. Die weitaus meisten dieser Organisationen setzen sich aus ehrenamtlichen Helfern unterschiedlichster Berufsgruppen zusammen, die über Spenden finanziert werden. Aber auch staatliche Institutionen leisten schnelle Hilfe und stellen hierbei auch den freiwilligen Helfern ihre Infrastruktur zur Verfügung. Allein aus Deutschland sind beim Erdbeben aktuell in Nepal mehr als 19 Organisationen tätig, um den Menschen vor Ort beizustehen. Dazu gehören:

 

  • Arbeiter-Samariter-Bund – medizinische Versorgung, Nahrung, Planen
  • Arche noVa – Trinkwasseraufbereitung
  • Action mecleor – medizinische Versorgung
  • ADRA – unterhält Krankenhäuser, verteilt Zelte und Planen
  • AWO International – Notunterkünfte
  • CARE Deutschland – Nahrung, Kleidung, Notunterkünfte, Trinkwasser
  • DEMIRA – Ärzteteams
  • Habitat for Humanity – Werkzeuge, Baumaterial, Planen, Geschirr
  • Help-Hilfe zur Selbsthilfe – Bergung von Verschütteten
  • Islamic Relief – Nahrungsmittel, Zelte, Planen, Wasser, Hygieneartikel
  • Die Johanniter – medizinische Hilfe
  • Handicap International – Krankenhäuser, medizinische Hilfe
  • Landsaid – medizinische Hilfe
  • Malteser International – medizinische Hilfe
  • Terra Tech – Ingenieure für Wiederaufbau
  • World Vision – Zelte, Kochsets, weitere Hilfsgüter
  • Der Bundesverband Rettungshunde – Ortung, Bergung, medizinische Hilfe
  • THW – Trinkwasser, Infrastrukturaufbau
  • DRK – Hilfsgüter, medizinische Hilfe

Hinter jeder dieser Namen aus der obigen Liste steht ein Apparat mit einer Vielzahl von Menschen, Geräten und Maschinen, die, wie das Erdbeben aktuell zeigt, sofort bereit und in der Lage sind, die betroffenen Gebiete aufzusuchen und effektiv Hilfe zu leisten. Ohne Zweifel zählen sowohl deutsche wie auch französische oder andere europäische Hilfsorganisationen zu den best organisierten Gruppierungen für den Einsatz in Katastrophengebieten, wobei die Erfahrung aus vorhergehenden Einsätzen hilft.

Es läuft nicht immer glatt

Die Weisheit, das viele Köche den Brei verderben, lässt sich oft genug auch auf Katastropheneinsätze ummünzen. Nicht selten stehen Hilfsgüter wochenlang auf Flughäfen herum oder Einsatzteams kommen nicht dorthin, wo sie gebraucht werden. Woran liegt das? Alles eine Frage der Organisation. In Deutschland, als positives Beispiel, bestehen die Katastrophenschutzgesetze der einzelnen Bundesländer. In diesen Gesetzen wird festgelegt, welche Vorsorgemaßnahmen zu treffen sind und wie die einzelnen Organisationen in den Katastrophenschutz einzubinden sind. Dazu gehören:

  • regelmäßige Übungen
  • ein Frühwarnmeldesystem
  • Evakuierungspläne

In Deutschland sind momentan rund 1,7 Millionen freiwillige Mitglieder von Vereinen in den Katastrophenschutz eingebunden. Im Ernstfall werden die freiwilligen Helfer durch öffentliche Einrichtungen organisiert. Bei einem Erdbeben aktuell wie dem in Nepal wäre das an erster Stelle das THW, dann die Feuerwehren, die Ordnungsbehörden, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die Landeskommandos der Bundeswehr. Aber dieses positive Beispiel lässt sich nur selten eins zu eins auf andere Länder übertragen.
Die Problematik liegt hier in verschiedenen Bereichen, wobei es meist schon mit der fehlenden Infrastruktur in Bezug auf die Logistik anfängt. Ein aktuelles, negatives Beispiel zeigt sich hier etwa bei der Nutzung des Flughafen Katmandu, dessen einzige Start- und Landebahn, ausgelegt auf mittelgroße Jets, durch die schweren Transportmaschinen mit Hilfslieferungen so beschädigt wurde, dass nun keine Landungen hier mehr möglich sind. Das ist aber nur ein Beispiel, wobei den Hilfsorganisationen zugute zu halten ist, dass sie natürlich versuchen, so schnell und so viel Hilfe wie möglich in die betroffenen Gebiete zu bringen. Die Verantwortlichen für den Flughafen hätten natürlich im Vorhinein darauf hinweisen müssen, dass die Landebahn auf eine bestimmte Höchstlast ausgelegt ist. Genau an so einem Punkt fängt es an. Jeder Staat, sei es nun Nepal, Haiti oder Deutschland besitzt seine eigene Souveränität und schützt diese natürlich, selbst im schlimmsten Krisenfall. Dieser Schutz der Souveränität erfolgt in der Regel durch die Beamten und Politiker des betreffenden Landes, die sich nur ungern das Heft aus der Hand nehmen lassen. Gerade in wirtschaftlich schwachen Ländern mit einer unzureichenden Infrastruktur sind solche Souveränitätsansprüche für die Menschen, die Hilfe benötigen, eine zweite Katastrophe nach der Katastrophe. Oft genug lassen Zollbeamte wie auch Polizisten Hilfslieferungen nur gegen Schmiergeldzahlungen durch oder verteilen erst einmal an die eigene Verwandtschaft, bevor der „Rest“ dann in die Katastrophengebiete weiter fahren darf. Eine übergeordnete, gerecht funktionierende Leitstelle, die solche Dinge verhindert, kann es nur geben, wenn sich die betroffenen Länder bereit erklären, ihre Souveränität zumindest zeit- und teilweise aufzugeben. Das wird kaum passieren, denn in den jeweiligen Ländern bestehen meist sehr undurchsichtige politische Strukturen, in denen die „richtigen“ Verbindungen weit wichtiger sind als irgendwelche Gesetze. Natürlich treten sich die verschiedenen Hilfsorganisationen vor Ort manchmal auf die Füße und können oder dürfen nicht helfen. Vom Entsende-Land aus dies zu Organisieren, indem etwa nur bestimmte Gruppen in angemessenen Zeitabständen ins Katastrophengebiet reisen, funktioniert nur so gut wie die Informationslage über das betreffende Gebiet ist. Da aber in diesen Gebieten meist schon vorher eine nur mäßige bis schlechte Infrastruktur bestand, die unter der Katastrophe zusätzlich Schaden genommen hat, sind auch die Informationen unzuverlässig. Immerhin sollen Menschenleben gerettet und Menschen aus akuter Not geholfen werden.

Blindflug der Hilfsorganisationen

In den meisten Fällen handeln die Organisationen erst einmal und fragen dann. Dies sind einfach Erfahrungswerte aus vorhergehenden Katastrophen. Erst vor Ort kann die Lage tatsächlich erfasst werden. Dafür nun aber zuerst ein sondierendes Vorauskommando zu schicken, bleibt einfach keine Zeit. Wirklich erst vor Ort kann festgestellt werden, wo die Schwierigkeiten bestehen und wie sie zu lösen sind. Das Erdbeben aktuell in Nepal ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Katastrophenschutz lange vor der Katastrophe beginnen muss, sonst sind die Folgen, wie auch jetzt wieder, immer die gleichen.

 

Bildquelle: Darrenp/Bigstock.com

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1 Kommentar

  1. Naturgefahren sind schwere und extreme Wetter und Klima-Ereignisse auf, die natürlich in allen Teilen der Welt auftreten, obwohl einige Regionen für bestimmte Risiken anfälliger als andere sind. Naturgefahren werden Naturkatastrophen, wenn Menschen leben und Existenzen zerstört werden. Personelle und materielle Schäden durch Naturkatastrophen sind ein großes Hindernis für nachhaltige Entwicklung.

    Kommentar von Sidi Tady — 22. Mai 2015 @ 10:35

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