Das Apfelschnecken Verbot

Das Apfelschnecken Verbot erregte unter Züchtern großes AufsehenFoto ©Bigstock

Apfelschnecken gelten als beliebter Besatz für das Aquarium. Die etwa handtellergroßen Tiere zählen zu den Raritäten im Wasserbecken – und sind genau das doch nicht. Ein europaweites Apfelschnecken Verbot soll eine weitere Ausbreitung der Spezies sogar unterbinden. Hier stellt sich natürlich die Frage, inwieweit auch die private Haltung von der Einschränkung betroffen ist.

Die Apfelschnecke

Unter den Freunden seltener Tierarten hat sich in den letzten Jahren hierzulande ein wahrer Boom entwickelt. Häufig werden Terrarien und Aquarien mit der aus den tropischen Gebieten der Erde stammenden Apfelschnecke bevölkert. Der Grund für die große Beliebtheit: Die seit rund 200 Jahren bekannte Art gehört zu den seltenen Lebewesen, die sowohl eine Lunge als auch Kiemen zur Atmung nutzen. Die Schnecken können sich daher im Wasser ebenso wie an Land heimisch fühlen. Bevorzugt wählen sie dafür ein feuchtwarmes Klima, das arm an Sauerstoff ist. Die Allesfresser nehmen zumeist helle Farbtöne an, können also in weißer, gelber oder hellbrauner Erscheinung auftreten. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über Blätter, Rinden und Wasserpflanzen, gelingt zugleich aber mit Insekten oder Fleischresten.

Die Bedeutung der Apfelschnecke

Allerdings hat sich die hohe Nachfrage nicht alleine aus dem Kreise der Aquarianer ergeben. Die Apfelschnecke nimmt in manchen Regionen der Welt eine hohe Bedeutung ein. So ist sie als Lebensmittel sehr geschätzt und soll den Organismus stärken. Einigen Bestandteilen wird sogar eine heilsame Wirkung nachgesagt. Wissenschaftlich lässt sich das zwar nicht eindeutig belegen, doch ist der Glaube an die Kraft der Tiere insbesondere in den asiatischen Ländern stark ausgeprägt. Die Apfelschnecke wird dort auf verschiedene Weise zubereitet und nimmt in etwa jenen Stellenwert ein, den Fleisch- oder Fischspeisen hierzulande erlangen. Mag es für uns als üblich gelten, Zuchtanlagen für Schweine oder Hühner zu nutzen, so werden in den fernen Kulturkreisen umfangreiche Wasserbecken mit den Schnecken besetzt um diese dort gezüchtet.

Die Aufzucht und ihre Probleme

In den letzten Jahren hat sich aber vermehrt herausgestellt, dass ein Überangebot besteht. Der Markt produziert mehr Apfelschnecken, als vom Verbraucher gewünscht sind. Zwar gingen einige Zuchtanlagen bereits dazu über, ihre Programme zu reformieren und damit eine weitere Ausbreitung der Tiere zu unterbinden. Der Erfolg ist jedoch gering, da sich die Spezies in ganzen Stämmen fortpflanzt und jede Schnecke mehrere eintausend Nachkommen zeugen kann. Somit wurde durch asiatische und afrikanische Produzenten versucht, diese Art auch in Europa als Genussmittel anzuwerben – ein Vorhaben, das bislang scheiterte. Unter den Aquarianern war die Freude dagegen größer, die exotische Gattung endlich auch bei uns erwerben zu können. Unter ihnen wird die Apfelschecke noch immer als Rarität erachtet.

Die Haltung der Apfelschnecken

Die rund fünf bis 15 Zentimeter großen Tiere stellen nur geringe Ansprüche an ihre Umgebung. Selbst in sauerstoffarmen Aquarien fühlen sie sich wohl – werden aber ebenso in sandigen Terrarien heimisch. Einzig die Wärme als Kriterium des Wohlbefindens muss gewährleistet sein. Zwischen 15 und 30 Grad Celsius dürfen daher in den Behältnissen herrschen. Hier sollte allerdings je nach Art die passende Temperatur ermittelt werden. Ist es nämlich konstant zu kalt oder zu heiß, reduziert sich die Lebensdauer der Apfelschnecke. Kann sie normalerweise drei bis vier Jahre alt werden, so endet ihr Dasein unter den falschen Bedingungen nicht selten bereits nach wenigen Monaten. Bei der Gesundheit spielt jedoch auch die Nahrung eine erhebliche Rolle. Sie sollte folgendes Beinhalten:

  • frische Blätter
  • Gräser
  • toten Insekten
  • kleineren Schnecken

Das Apfelschnecken Verbot

Allerdings ist es seit rund drei Jahren nicht mehr ganz so einfach möglich, diese sehenswerte Gattung zu erwerben. So wurde im November 2010 ein europaweites Apfelschnecken Verbot durchgesetzt. Dieses umfasst die Einfuhr, die Haltung, die Zucht und den Handel. Schaut man sich in den einschlägigen Shops gegenwärtig um, so scheint es sich bei der gesetzlichen Vorgabe zwar um ein stumpfes Schwert zu handeln: Noch immer wird die Spezies sehr offen angeboten und vertrieben, teils sogar in staatlich lizenzierten Geschäften. Dennoch wurde das Verbot durch die Europäische Gemeinschaft bislang nicht aufgehoben. Hier wäre frühestens Ende 2015 mit einer Veränderung der Lage zu rechnen, wenn die geltende Anordnung erneut überprüft wird.

Der Grund für das Apfelschnecken Verbot

Warum kam es jedoch zu dem drastischen Schritt, die Tiere innerhalb des europäischen Geltungsbereichs derart einzuschränken? Als Auslöser wird die bereits angesprochene Produktion in den afrikanischen und asiatischen Zuchtbetrieben angesehen. Die Gattung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf unnatürlich starke Weise reproduziert. Aufgrund ihrer Anpassung an feuchte und trockene Lebensräume fällt es ihr zudem nicht schwer, in unterschiedlichen Regionen der Welt ansässig zu werden. So hat sie sich in den südeuropäischen Staaten wie Italien oder Spanien bereits als Konkurrent der einheimischen Arten etabliert. Sie beschädigt dabei Obststämme und Gemüseplantagen, überträgt Viren sowie Bakterien und gilt selbst für Wälder und Seen als Schädling. Daher war das Apfelschnecken Verbot alternativlos.

Das Apfelschnecken Verbot betrifft nicht die private Haltung

Apfelschnecken sind, aufgrund ihrer exotischen Art, bei Aquarianern sehr beliebt

Apfelschnecken sind, aufgrund ihrer exotischen Art, bei Aquarianern sehr beliebt

Allerdings sorgte das europaweite Gesetz bislang für Verwirrung. So schützt der Erlass zwar die Landwirtschafts-, Forst- und Wasseranlagen des Kontinents. Konkrete Aussagen zur Haltung der Tiere in privatem Umfang ließen sich indes nicht finden. Als herrschende Meinung gilt nun jedoch der Grundsatz, dass sich das Apfelschnecken Verbot zumindest in Teilen nicht auf den üblichen Besitz bezieht. So darf lediglich die Gattung der Pomacea nicht mehr gezüchtet, vertrieben oder gehalten werden. Andere Unterfamilien der Apfelschnecken sind davon allerdings nicht betroffen. Viele Arten lassen sich daher noch immer legal in den Shops finden und können dort erworben werden. Häufig finden man Schnecken und Apfelschnecken in einem Gemeinschaftsbecken mit Garnelen. Und solche, die doch zur Pomacea gehören, scheinen zumindest in einigen Ländern im Handel geduldet zu sein.

Augen auf beim Kauf

Sicherlich gelten Apfelschnecken noch immer als exotische Bereicherung von Aquarien und Terrarien. Zumal sie hier die wichtige Funktion übernehmen, das Wasser zu säubern, indem sie alle organischen Ablagerungen verzehren. Dennoch sollte das Apfelschnecken Verbot gerade unter den Tierfreunden so gut wie möglich eingehalten werden. Noch immer hat sich die unnatürliche Ausbreitung der Spezies nicht nachhaltig senken lassen. Wer daher sichergehen möchte, wird sich im Zweifelsfall vor dem Kauf durch einen Fachmann beraten lassen. Insbesondere die Frage, welche Arten genau verboten sind, nimmt dabei einen wichtigen Stellenwert ein. Denn nur auf diese Weise kann das natürliche Gleichgewicht sowohl im Ökosystem als auch im Aquarium hergestellt werden – hierfür ist aber der weitsichtige Umgang mit den Apfelschnecken notwendig.

 

 

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