Youtuber vs. Fernsehstars – Wer hat mehr Reichweite?

Youtuber vs. Fernsehstar. Wer hat heute mehr Reichweite?Foto ©Bigstock
Sagen Ihnen die Namen „Günter Jauch“ und „Thomas Gottschalk“ etwas? Oder haben Sie vielleicht schon ein Mal von „Gronkh“ und „LeFloid“ gehört? Was haben diese vier Menschen gemeinsam?
Richtig: Sie sind Zuschauermagneten und jeder von ihnen hat einen Stil, an dem wir ihn unter hundert Anderen erkennen würden.
Der große Unterschied? Jauch und Gottschalk kennen wir als Moderatoren aus dem Fernsehprogramm, Gronkh und LeFloid dagegen sind Youtuber.

Wie entwickelten sich die Zuschauerzahlen für beide Medien?

Bedrohen Youtuber das Fernsehn? Das Fernsehen genoss über mehrere Jahrzehnte eine Art von Immunität. Es schien das unantastbare Massenmedium zu sein, das sich über alle Anderen erhebt. Ob für Nachrichten, Großevents oder einfach nur zur Unterhaltung, in fast jedem deutschen Haushalt ist ein Fernsehgerät zu finden. Der Konsum des Fernsehens hat sich seit der Einführung stetig erhöht. In den letzten Jahren geht der Trend der Fernsehnutzung jedoch in Richtung Mediathek, wo der Nutzer sich Filme ausleihen und ansehen kann, wann er das selbst möchte. Auch die Nutzung von Festplattenreceivern erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Auf der anderen Seite steht das Internetportal Youtube, das erst seit knapp zehn Jahren existiert. Hier können die Nutzer selbst Videos hochladen. Das Portal wird aber auch längst von Konzernen genutzt, um ihre Produkte zu bewerben. Trotz ihrer erst kurzen Konzerngeschichte verzeichnet die Seite in Deutschland etwa 40 Millionen Nutzer.
Ein Vergleich zeigt: Während der Fernsehkonsum über die Jahre eher linear ansteigt, verzeichnet sich bei Youtube ein exponentielles Wachstum mit steigender Tendenz.

Wer sind nun eigentlich Gronkh und LeFloid?

Diese Frage stellt niemand, der einen Internetanschluss besitzt. Gronkh produziert Tests und Anleitungen für diverse Games und LeFloid analysiert täglich Nachrichten und Geschehnisse aus der Welt. Die beiden sind die derzeit erfolgreichsten deutschen Youtuber. Mit ihren Kanälen begeistern sie zusammengerechnet etwa sieben Millionen Menschen.

Kann man den Youtuber auf eine Stufe mit dem Fernsehpromi stellen?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, da der direkte Vergleich schwer fällt. Das Fernsehen genießt insgesamt höheres Ansehen, was sich natürlich auch im Bekanntheitsgrad seiner Stars widerspiegelt. Wer sich jedoch ein paar Videos von LeFloid ansieht, der wird schnell merken, dass er es nicht weniger als Günter Jauch versteht, auch die unbequemen Fragen zu stellen.
Möglicherweise ist der Unterschied kleiner, als so mancher denkt. Oft schon wurde der „Angriff von Youtube auf das Fernsehn“ ausgemalt.

Welche Zielgruppen sprechen die beiden Medien an?

Hier kann man zwar keinen klaren Schnitt machen, aber das Alter spielt schon eine gewisse Rolle.
Das können wir besonders bei der Generation etwa ab dem Jahre 1990 beobachten. Diese ist tief verwurzelt mit dem Internet als Massenmedium aufgewachsen. Die Nutzung von Youtube gehört hier unweigerlich zum Tagesablauf dazu wie das Essen und Schlafen. Demnach finden besonders viele in dieser Altersklasse der „digital natives“ ihre „Helden“ auf Youtube.
Bei der älteren Generation dagegen, zum Vergleich nehmen wir vor Jahrgang 1970, darf meist der Fernseher im Abendprogramm nicht fehlen. Der „Tatort“ oder „Monk“ scheinen hier ebenso wichtig wie das Essen auf dem Tisch.

Warum kennt dann jeder Schüler das Gesicht von Thomas Gottschalk, wo kaum ein Rentner je von Gronkh gehört hat?

Diese Frage ist deutlich einfacher zu beantworten: Das Internet ist noch ein junges Medium.
Wer heute in Rente ist, war bereits um die fünfzig Jahre alt, als das Internet umfangreich Einzug in die Privathaushalte hielt. Viele von diesen Menschen taten das Netz als neumodischen Unfug ab, der in ein paar Jahren schon wieder verschwinden würde.
Falsch gedacht!
Das Internet entwickelte sich, wurde umfangreicher, anspruchsvoller, aber vor allem: komplexer in der Benutzung. Für die Meisten unter uns bietet das World Wide Web ungeahnte Möglichkeiten, aber ein Teil der Bevölkerung ist von dieser Flut an Information hoffnungslos überfordert. Oftmals steckt keine böse Absicht hinter den bissigen Kommentaren der Großmutter am Kaffeetisch, sondern schlicht und ergreifend die Überforderung einer Generationen mit dem Medium Internet.

Werden die Youtuber irgendwann unsere Fernsehstars ablösen?

Dieser Gedanke scheint, wenn wir die aktuelle Popularität des Fernsehens als Grundlage nehmen, äußerst unwahrscheinlich. Die Ansprüche des Zuschauers haben sich im Laufe der Zeit verändert. Insgesamt geht der Trend dahin, dass wir unsere Sendungen anschauen, wann WIR das wollen. Dank technischer Fortschritte konnte das Fernsehen hier Lösugen schaffen, mit dem Internet und speziell Youtube mitzuhalten.
Warum muss es eigentlich immer einen Konkurrenzkampf geben? Vielmehr scheint sich hier eine friedliche Koexistenz abzuzeichnen.
Solange Fernsehstars zur Werbung von neuen Fans Youtube-Kanäle unterhalten und im Gegenzug bekannte Youtuber in Fernsehshows auftreten, ist doch alles in bester Ordnung, oder?Fazit: Youtube bietet eine enorme, jederzeit zugängliche Vielfalt an News und Unterhaltung, gegen die das Fernsehen im Alltag nur schwer konkurrieren kann. Steht jedoch die nächste Fußball-WM an, werden sich unsere Fans mit Sicherheit wieder in der Eckkneipe vor dem Fernseher einfinden.
Hoffen wir darauf, dass uns beide Medien noch lange erhalten bleiben.

Bildquelle: bigstock ID 109923473 by jemastock

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