So werden Asylbewerber zu Azubis

Ausbildung von Asylbewerber in DeutschlandFoto ©Bigstock
Flüchtlinge sind aus Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak geflohen, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Einige von ihnen haben bereits einen Beruf oder ein Studium absolviert, andere sind noch minderjährig und brauchen eine Ausbildung. Doch wer hat überhaupt ein Recht auf eine Ausbildung, und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Rechtlicher Status vom Asylbewerber

Geflüchtete unterscheidet man in

  • anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis
  • Asylsuchende, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, und
  • Geduldete: abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben werden können.

Alle drei Gruppen dürfen ohne Genehmigung durch die Ausländerbehörde eine schulische Berufsausbildung antreten, also an einer Berufsfachschule.

Eine duale Ausbildung (Betrieb und Berufsschule) anerkannten Flüchtlingen sofort und Asylbewerber ab dem vierten Monat offen. Geduldete können ebenfalls eine duale Ausbildung beginnen, und zwar

  • sobald die Duldung erteilt ist
  • sofern kein Arbeitsverbot vorliegt und
  • die Ausländerbehörde der Ausbildung zustimmt.

Nach den gesetzlichen Änderungen vom 1. August 2015 kann die Ausländerbehörde die Duldung zunächst für ein Jahr erteilen, wenn eine qualifizierte Berufsausbildung aufgenommen wird. Bei Fortdauer der Berufsausbildung soll die Duldung jeweils für ein Jahr verlängert werden. Der Auszubildende darf bei Beginn der Ausbildung nicht älter als 21 Jahre sein.

Wenn Geduldete nach Abschluss ihrer Ausbildung eine entsprechende Stelle finden, von deren Entlohnung sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können, dann können sie eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Fördergelder für Asylbewerber

Seit Januar 2016 können junge geduldete Flüchtlinge, die seit 15 Monaten (bisher: 4 Jahren) in Deutschland sind, bei einer dualen Berufsausbildung unterstützt werden. Asylsuchende erfüllen die rechtlichen Voraussetzungen dafür oft nicht. Man unterscheidet:

  • Berufsausbildungsbeihilfe (finanzielle Leistung für betriebliche/duale Berufsausbildung)
  • Assistierte Ausbildung (zumeist praktische ausbildungsvorbereitende und ausbildungsbegleitende Maßnahmen)
  • Ausbildungsförderung nach BAföG (finanzielle Leistung für (hoch-)schulische Berufsausbildung)
  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (z. B. Nachhilfe, Prüfungsvorbereitung, Beratung bei Alltagsproblemen, vermittelnde Gespräche mit Lehrern, Ausbildern und Eltern)

Ansprechpartner für diese Fördermaßnahmen ist die Bundesagentur für Arbeit, Ausnahme: BAföG-Leistungen, die beim BAföG-Amt der Kommune beantragt werden.

Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis werden nicht von der Agentur für Arbeit betreut und gefördert, sondern von den Jobcentern. Ihnen stehen prinzipiell alle genannten Fördermöglichkeiten offen.

Staatlich anerkannte Ausbildungsberufe

Flüchtlinge, die eine Ausbildung in Deutschland absolvieren möchten, müssen darauf achten, dass es sich um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf handelt. Davon gibt es in Deutschland etwa 350. Für sie gibt es Ausbildungsordnungen mit genau geregelten Inhalten. Nicht anerkannte Ausbildungsberufe sind zum Beispiel Hebamme/Entbindungspfleger.

Hat ein Geflüchteter in seinem Heimatland eine Berufsausbildung absolviert, so kann er sie nach dem Anerkennungsgesetz („Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“) in Deutschland anerkennen lassen. Einen Antrag auf Anerkennung können alle Personen stellen, die im Ausland eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus.

In der Praxis haben jedoch nur wenige Geflüchtete derartige Abschlusszeugnisse mitgebracht. Hier greift eine Initiative des Bundesbildungsministeriums: Berufliche Kompetenzen können über eine sogenannte Qualifikationsanalyse festgestellt werden. Dabei zeigt ein Einwanderer durch Arbeitsproben oder Fachgespräche, dass er über berufsspezifische Fertigkeiten verfügt. Seine Kompetenzen werden durch Anerkennungsstellen und Arbeitgeber überprüft. In immer mehr Bundesländern werden derartige Qualifikationsanalysen etabliert. Sie werden unter anderem von Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern angeboten und durchgeführt. Informationen erhält man beim Netzwerk IQ – Integration durch Qualifzierung. Dort erfährt man auch, an welchen Qualifizierungsmaßnahmen man kostenlos teilnehmen kann.

Weiterbildung

Wer eine Ausbildung in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf absolviert hat, hat möglicherweise Interesse an einer Weiterbildung. Auf dem Deutschen Bildungsserver können Flüchtlinge online entsprechende Bildungsangebote einsehen und Informationen sammeln. Weiterbildungsmöglichkeiten speziell sind über die Suchmaschine InfoWeb abrufbar. Auch die Agentur für Arbeit, Jobcenter, die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammern helfen weiter.

Fachhochschulreife

Die allgemeine und die fachgebundene Fachhochschulreife befähigen zum Studium an Hochschulen, nicht jedoch an Universitäten.

Die Fachhochschulreife erwirbt man in der Regel nach dem Abschluss der 11. Klasse einer höheren Schule – Sekundarstufe II, Gymnasium (beim G9-Modell nach Abschluss der 12. Klasse), Gesamtschule, Berufskolleg, Fachoberschule, Berufsoberschule usw. – oder nach Abschluss bestimmter Fächer an Fachschulen in Verbindung mit einer Berufsausbildung. Hinzu kommt entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein halb- bis einjähriges Berufspraktikum oder ein Praktikum in der 11. Klasse einer Fachoberschule.

Die Basis: Integrationskurse mit Deutsch und Landeskunde

Für alle Asylbewerber und Flychtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea (Stand: 2015) bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Integrationskurse an. Die Teilnahme ist beim BAMF zu beantragen. Die Integrationskurse bestehen aus einem Sprachkurs Deutsch sowie einem Orientierungskurs. Die Teilnahme ist kostenlos. Gegebenenfalls kann ein Fahrtkostenzuschuss gewährt werden.
Bildquelle: bigstock ID 85660364 by radekprocyk

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