Sinkende Aktivität in Deutschland: Facebook im Abwärtstrend?

facebook am Ende?
Facebook ist mit mehr als 1,5 Millionen regelmäßigen Nutzern weltweit noch immer das größte soziale Netzwerk der Welt. In Deutschland allerdings scheint das Wachstum des Unternehmens so langsam an seine Grenzen zu stoßen. Zwei zuletzt bekannt gewordene Zahlen verdeutlichen dies: So hat ist die Zahl der neu gewonnenen Nutzer in den letzten Jahren konstant gesunken. Zwar gewinnt das Netzwerk noch immer neue User hinzu, allerdings nicht mehr in der Größenordnung wie früher. Außerdem sind die vorhandenen Accounts weniger aktiv geworden. Sowohl bei den Nutzer, die selbstständig Inhalte generieren, als auch bei den Usern, die diese konsumieren, lässt sich ein Rückgang der Facebook-Nutzung feststellen.

Zuletzt kamen jährlich noch eine Millionen Nutzer hinzu

In konkreten Zahlen ausgedrückt, sieht das so aus: Zwischen 2008 und 2011 wuchs die Zahl der Nutzer noch von 1,2 Millionen auf über 20 Millionen. Der ehemalige deutsche Marktführer StudiVZ wurde so in die Bedeutungslosigkeit gedrängt. Dieses rasante Wachstum ließ sich aber nicht aufrecht erhalten. In den letzten beiden Jahren stieg die Zahl der aktiven Accounts nur noch um lediglich rund eine Millionen jährlich. Grundsätzlich ist dies eine natürliche Entwicklung, weil der Markt an potentiellen Nutzern in Deutschland begrenzt ist. Ewiges Wachstum ist daher nur schwer möglich. Sorgen muss sich Facebook daher vor allem um die Aktivität der User machen.

Auch die Aktivität der Nutzer sinkt

Denn hier lässt sich sogar ein Abwärtstrend beobachten. Waren 2012 noch mehr als die Hälfte der deutschen Social-Media-Nutzer regelmäßig auf Facebook unterwegs und stellten dort Inhalte ein, machen dies heute nur noch rund ein Drittel. Zugleich ist der Anteil der mehr oder weniger ausschließlich passiven Nutzer ebenfalls gesunken und liegt aktuell bei 54 Prozent. Insgesamt nimmt der Marktführer damit noch immer eine überragende Position innerhalb der sozialen Netzwerke in Deutschland ein. Der Trend ist aber negativ: Nutzten 2014 Jahr noch 93 Prozent der Social-Media-User Facebook regelmäßig, waren es 2015 schon nur noch 87 Prozent. Ganz ähnlich hatte einst auch der Abschwung von StudiVZ begonnen. Neuste Studien erwarten einen Rückggang der Nutzer von 80% bis 2017.

Googles soziale Netzwerke scheiterten

Denn ein soziales Netzwerk lebt von der Aktivität seiner Nutzer und der gesellschaftlichen Relevanz. Oder anders ausgedrückt: Die Attraktivität eines Netzwerkes hängt in erster Linie davon ab, wie viele Freunde dort ebenfalls aktiv sind. Diese Erfahrung musste auch Google machen. Beide Versuche des Suchmaschinenkonzerns ein eigenes soziales Netzwerk zu etablieren – zunächst unter dem Namen Orkut, dann als Google+ – scheiterten, weil nicht ausreichend Nutzer zum Wechsel bewegt werden konnten. Inzwischen hat Google aber einen ganz anderen Facebook-Konkurrenten im Portfolio. Denn der Videodienst Youtube wird mehr und mehr zu einem Konkurrenten, was die Zahl der Nutzer betrifft.

Youtube als großer Konkurrent

Zwar ist Youtube kein soziales Netzwerk im klassischen Sinne. Dennoch sollte es Facebook alarmieren, dass immerhin 88 Prozent der Social Media Nutzer in Deutschland regelmäßig bei Youtube aktiv sind – der Videodienst hat das soziale Netzwerk in dieser Kategorie bereits überholt. Allerdings ist dabei zu beachten, dass Facebook für einen erheblichen Teil des Youtube-Traffics verantwortlich ist, indem Videos auf dem sozialen Netzwerk geteilt werden. Das Unternehmen hat daher auch bereits reagiert und einen eigenen Videodienst ins Leben gerufen. Es bleibt aber abzuwarten, ob dieser von den Nutzer angenommen wird. Eines ist aber sicher: Einfach aufkaufen, wie es bei den potentiellen Konkurrenten Instagram und WhatsApp gemacht wurde, lässt sich Youtube nicht.

Wachstum in den Schwellenländern

Während die Situation in vielen Industrieländern ähnlich ist wie in Deutschland und der etablierte Marktführer angegriffen wird, speist sich das Wachstum des Unternehmens vor allem aus zwei Quellen: Schwellenländer und Neueinkäufe. So liegen die USA bei der absoluten Anzahl der Nutzer noch immer auf dem ersten Platz. Danach folgen mit Indonesien, Indien, Brasilien und Mexiko aber schon große Schwellenländer. Probleme gibt es allerdings in China – wo die Seite gesperrt ist – und in Russland – wo die Nutzer die lokale Alternative vk.com bevorzugen. In anderen Regionen verfolgt das soziale Netzwerk auch ungewöhnliche Wege, um potentielle Kunden zu erreichen. So wird beispielsweise Geld investiert, um die Verfügbarkeit des Internets in Afrika zu verbessern.

WhatsApp und Instagram als neue Säulen

Zweite Wachstumssäule sind die neu zugekauften Unternehmen- und zwar vor allem die bereits erwähnten Dienste Instagram und WhatsApp. Beide konnte im vergangenen Jahr die Zahl der Nutzer massiv steigern, erreichen aber bei weitem noch nicht die Zahlen des Mutterkonzerns. Instagram hat inzwischen rund 400 Millionen aktive Accounts, während der Messengerdienst WhatsApp von 900 Millionen Menschen genutzt wird. Schon lange wird über ein Zusammenwachsen von Whatsapp und facebook gemunkelt…

Auch in eher ungewöhnlichen Bereichen sieht das soziale Netzwerk Wachstumspotentiale. So kaufte das Unternehmen zuletzt Oculus VR, einen Hersteller von Virtual Reality Brillen. Das erste Produkt aus dieser Zusammenarbeit soll bereits dieses Jahr auf den Markt kommen.

Fazit: Kein Grund zur Panik, aber Wachsamkeit ist geboten

Insgesamt ist das Unternehmen als Marktführer naturgemäß einer großen Konkurrenz ausgesetzt. In vielen Industrieländern wie Deutschland und den USA scheint die Nutzeraktivität dabei abzunehmen. Dem Unternehmen ist es allerdings gelungen, neue Wachstumsmärkte zu erschließen und neue Geschäftsfelder zu erwerben. Ein Absturz in die Bedeutungslosigkeit, wie ihn ehemalige Internetgiganten schon erleben mussten, ist daher in naher Zukunft nicht zu erwarten. Im extrem volatilen Markt für Internetangebote kann sich aber auch ein Marktführer wie Facebook nie sicher sein, nicht schon bald vom nächsten großen Trend überrollt zu werden.
Bildquelle: bigstock-ID-97545212-by-ibphoto

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