Deutschland und der Technische Fortschritt

Zukunft Technik: Wo steht Deutschland heute? Technische FortschrittFoto ©Bigstock
Deutschland, die High-Tech Nation im Herzen Europas, das Land des Wirtschaftswachstums, des Erfindergeistes und der Innovationen und der Technische Fortschritt. Dies sind nur einige der Assoziationen, die mit dem Land mit seinen knapp 80 Millionen Einwohnern in Verbindung gebracht werden. Doch der Wirtschaftsstandort Deutschland ist in Gefahr. Andere Nationen sind längst dabei, uns in Punkto Innovationskraft und Fortschritt zu überholen. Doch woran liegt das?

Der Bildungssektor

In den letzten Jahren wurde viel am deutschen Bildungssystem herumexperimentiert und der Technische Fortschritt ausgeblendet. Mit politischer Duldung wird das Bildungssystem in den Schulen immer weiter demontiert. Eine Gleichmachung findet statt, die unter der Agenda „Gleiche Chancen für alle geführt wird. Problematisch dabei ist, dass zwar die Schwächeren gefördert wird, dies aber zu Lasten derjenigen Kinder gehen kann, die durch Fleiß und Wissbegierde auffallen. Wenn alle nur Mittelmaß sind, ist das zwar im Sinne der Chancengleichheit für alle korrekt – nur aus Mittelmaß entstehen selten Spitzenleistungen – So eine These.

 

Die Politik und der Technische Fortschritt

Unter Kanzeler Schröder wurden die Märkte im Sinne des Neoliberalismus geöffnet. Das Kapital bestimmt seit dem die Ausrichtung des gesamten Landes. Was dabei vergessen wird: Zinsen, Aktien und undurchsichtige Optionsgeschäfte bringen keine Innovationen hervor. Geld kann sich vermehren, es kann sich aber nicht ans Reißbrett setzen und neue Produkte entwickeln. Während der Finanzsektor in Deutschland gehegt und gepflegt und mit Abermilliarden an Steuergeldern unterstützt wird, wird der Mittelstand, eigentlich das Standbein jeder Gesellschaft, durch hohe Steuern, Abgaben und Gesetze unter Druck gesetzt. Nicht wenige Unternehmen müssen bereits in der Anfangsphase aufgeben, weil die Abgabenlast zu erdrückend wird.
Deutschland als Exportnation ist auf offene Grenzen und weltweiten Handel angewiesen.

Sollte sich bei der kommenden Bundestagswahl herausstellen, dass von der Mehrheit eine rechtspopulistische, nationalkonservative Partei gewünscht wird: Dann wird es enorm schwierig, das Bruttoinlandsprodukt über die dann möglicherweise geschlossenen Grenzen durch Exporte im Plusbereich zu halten.

 

Innovationen und der Technische Fortschritt

Große Entwicklungen kommen schon lang nicht mehr aus Deutschland. Egal ob in der Autoindustrie, im Zuge der Digitalisierung oder auch in der Entwicklung von social media – Neuigkeiten in diesen Bereichen kommen vorrangig aus anderen Ländern. Ganz vorne dabei sind, wie seit Jahrzehnten, die Vereinigten Staaten. Die Autoindustrie hängt in Deutschland ganz dicht mit dem Maschinenbau zusammen. Auch hier, in der deutschen Paradedisziplin, sieht es derzeit nicht allzu rosig aus. Maschinen aus Deutschland haben zwar immer noch einen guten Ruf, aber technische Neuerungen und der absolute High-End Maschinenbau kommen längst aus anderen Ländern. Das nordspanische Baskenland sei hier als Big Player genannt, aber auch Taiwan spielt mittlerweile in der Maschinenbau-Liga ganz oben mit. Mit dem neuen Tesla Modell zieht auch der Megamarkt Elektroauto an deutschen Herstellern vorbei! Dabei hätte VW den Abgasskandal als Chance nutzen können und verstärkt auf Elektromobilität setzen können….

 

Digitalisierung verschlafen

Das Internet ist für uns alle Neuland„. Diesen Satz konnte man vor nicht allzu langer Zeit von unserer Kanzlerin hören. Leider drücken die Worte das deutsche Dilemma recht präzise aus. Die Entscheider in Politik und Wirtschaft haben lange Zeit den Einstig in die Digitalisierung verschlafen, ja geradezu auf sträfliche Weise vernachlässigt. Während in den Staaten kleine Start-Ups früh die Chancen der digitalen Welt entdeckt haben und Mark Zuckerberg mit Facebook den Bereich social media weltweit salonfähig gemacht hat, gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Firmen, die explizit im digitalen Bereich das Neuland „beackern“. Diese Ausrichtung führt leider zum Brain-Drain.

Führende Wissenschaftler und IT-Experten sehen in anderen Ländern mehr Chancen als in Deutschland und wandern ab. Mit ihnen wandert dann leider auch Know-How und Innovationskraft von Deutschland nach außerhalb, was über kurz oder lang gravierende Folgen für unser Land haben wird.

Tablets in Schulen zu installieren alleine reicht nicht. Es fehlt an Technikkompetenz!

Tablets in Schulen zu installieren alleine reicht nicht. Es fehlt an Technikkompetenz!

 

Erosion der Kernmärkte

Die Automobilindustrie steht noch ganz gut da in Deutschland. Durch den riesigen Absatzmarkt im Premiumsegment laufen bei Audi, Mercedes und VW die Geschäfte noch recht gut. Doch auch bei den Großen der Branche findet wirkliche Innovation an den im Ausland gelegenen Standorten statt. In kleinen Think-Tanks über die ganze Welt verstreut arbeiten Experten an den Neuheiten, die die Konzernzentralen in Deutschland dann als „Deutsche Ingenieurskunst“ vermarkten können. Auch die Fertigung wandert immer mehr in andere Länder ab, um die Profite zu erhöhen. Neben der Automobilindustrie verlieren auch andere Branchen in Deutschland an Boden. Nutzfahrzeughersteller, Anlagenbauer, Stahlindustrie, sie alle sehen sich einem enormen Preisdruck ausgesetzt.

 

Gibt es noch Chancen für den Standort Deutschland?

Ja, Chancen gibt es trotz der derzeitigen Lage. Wenn die Politik anfängt, gezielt um High-Potentials zu werben und diesen Leistungsträgern in Deutschland die Tore öffnet, kann dem Wegzug von Wissen effektiv entgegengewirkt werden. Das Bildungssystem müsste umfassend dahingehend reformiert werden, dass Leistung wieder etwas zählt. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass uns nicht in absehbarer Zeit die Fachkräfte wirklich ausgehen. Denn bisher ist der Fachkräftemangel ein Gerücht. So lange hervorragend ausgebildete Ingenieure in der Arbeitslosigkeit versauern, nur weil sie mit Ende 50 „zu alt“ und damit zu teuer für die profitorientierten Entscheider in der Wirtschaft sind, kann man nicht von einem wirklichen Mangel sprechen.
Auch muss das Steuer- und Abgabensystem dringend dahingehend reformiert werden, dass junge innovative Unternehmen zumindest in der Anfangsphase nicht unter zu hohen Abgaben leiden – und sich somit das Risiko des Unternehmertums wieder lohnt.

Noch ist Deutschland nicht hinter die großen Industrienationen zurückgefallen. Solange wir uns aber auf den Früchten vergangener Jahrzehnte ausruhen und dem Status Quo huldigen, anstatt Neuerungen zu forcieren, steigt stetig das Risiko, von allen anderen Industrienationen überholt und langfristig abgehängt zu werden.

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