US Präsidentenwahl: Wäre Donald Trump in Deutschland möglich?

Hillary Clinton gegen Donald Trump. Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft geht in die letzte Phase!Foto ©Bigstock
Die Vereinigten Statten befinden sich momentan im Wahlkampf. Laut geht es her und es wird mit harten Bandagen gekämpft.
Die gegenseitigen Attacken sind rüde und gehen teilweise unter die Gürtellinie. Clinton sei eine Lügnerin, Intrigantin und sowieso viel zu krank um Präsidentin zu sein, lauten die Vorwürfe von Trumps Seite.
Trump ist ein Rassist, politisch unfähig, ohne Konzept und staatsmännisch untragbar, meint die Gegenseite.

In dieser Ausprägung wäre ein Wahlkampf in Deutschland schwer vorstellbar. Hierzulande müssen Politiker seriös und integer auftreten, um Ernst genommen zu werden. In den USA ist es da schon anders. Gerne schrill, gerne aggressiv und gerne unter der Gürtellinie. So mögen es die Amerikaner, den Politik ist dort auch immer Show-Business.
Donald Trump gegen Hillary Clinton, heißt das oft auf zwei Personen verkürzte, Wahlkampfduell der demokratischen gegen die republikanische Partei.
Der eine gibt sich rüpelhaft und als politischer Außenseiter, die andere etabliert, seriös und ganz als Staatsfrau. Zwei Gegensätze treffen aufeinander.
Doch was wollen diese beiden Politiker? Was zeichnet sie aus? Wie beliebt bzw. unbeliebt sind Sie in den USA und wäre ein Wahlkampf, insbesondere mit einem Politiker vom Formate Trumps, auf diesem Niveau auch in Deutschland denkbar?

Die Unbeliebtheit Hillary Clintons

Senatorin, Außenministerin und Vollblutpolitikern – die politische Vita von Hillary Clinton ist durchaus beeindruckend. Souverän, erfahren, über den Dingen stehend – so gibt sich Clinton gerne.
Aber Clinton steht im US-Wahlkampf unter schwerem Beschuss.
Emailgate, der Sicherheitsskandal um ihre ungesicherten elektronischen Korrespondenzen, nagt schwer und dauerhaft an Ihrer Kandidatur. Und er bestärkt ihren, in weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung herrschenden, Ruf, eine intrigante, kalte und arrogante Politikerin und Person zu sein.

Ihr Mitwirken in Lobbyorganisation, wie der trilateralen Kommission, befeuern das Misstrauen weiter. Hillary Clinton gehört zum politischen Establishment und genau das scheint in einer Politik verdossenen Zeit ihr Hauptproblem zu sein.

Auch auf ihrem ureigensten Feld, dem Feminismus, wird Clinton attackiert. Ihre feministische Agenda wird mit Misstrauen beäugt. Neben den außereheliche Eskapaden ihres Ehemannes, muss sie sich selber Gerüchten eigener (lesbischer) Affären stellen. Hinzu kommt, dass die familieneigene Clinton-Foundation ausgerechnet hohe Summen von Spendern aus dem Nahen Osten erhielt. Dieser steht bekanntlich nicht für eine Gleichstellung von Mann und Frau. Vorwürfe von Interessenkonflikten stehen im Raum.

Hillary Clinton in Saint Louis, USA - am 12. März 2016

Hillary Clinton in Saint Louis, USA – am 12. März 2016

In jüngster Zeit ist der Gesundheitszustand von Clinton in den Fokus gerückt. Nach auffälligem und seltsamen Verhaltensweisen, sowie einem Zusammenbruch auf einer Wahlkampfveranstaltung in New York ist die Gegenseite nun bemüht, der 68-jährigen die gesundheitliche Eignung für den stressigsten Job der Welt abzusprechen.

Die Beliebtheit Donald Trumps

Der selbsternannte Selfmade-Milliardär (der er nicht ist, denn sein nicht unerhebliches Anfangskapital kam direkt aus Vaters Schatulle) irritiert durch arrogantes und selbstgefälliges Auftreten und einem unerschöpflichen Reservoir von Vorurteilen und Ressentiments. Es gibt kaum eine Minderheit, die er noch nicht im Wahlkampf beleidigt hat, so dass seine Popularität verwundert. Jedoch nur auf den ersten Blick. Ähnlich wie in Deutschland grassiert in den USA eine Politik- und vor allem Politikerverdrossenheit.


Diese Abneigung gegen die etablierten Kräfte macht sich Trump zunutze. Er grenzt sich klar von der, dem Establishment zugeordneten Clinton ab und betont immer wieder seine Rolle als unverbrauchter und unabhängiger Quereinsteiger, der frischen Wind ins verstaubte Washinton bringt. Dabei weiß niemand, was Trump genau vor hat, sollte er denn tatsächlich gewählt werden. Wahrscheinlich weiß er es selber auch nicht so genau.
Trump nutzt die Unzufriedenheit der Wähler. Diese haben genug von Politikern, die immer das Gleiche versprechen, sich an Ihre Versprechen aber nach der Wahl nicht mehr gebunden fühlen. Und genau das ist der große Vorteil Trumps: er ist im eigentlicher Sinne kein Politiker, allenfalls ambitionierter Laie. Trump ist Geschäftsman mit politischen Ambitionen, gehört in dieser Funktion zwar genauso zum Establishment, wird aber von den Wählern nicht in dieser Weise wahrgenommen und hat deshalb gute Aussichten auf den Präsidentenposten.

Donald Trump gibt sich oft siegessicher und von sich selbst überzeugt

Donald Trump gibt sich oft siegessicher und von sich selbst überzeugt

Die Abneigung gegen die Washingtoner Politiker-Kaste ist scheinbar inzwischen so groß, dass der amerikanische Wähler sogar einen politischen Hasardeur einem etablierten Politiker vorzieht.

Bei der ersten Fernsehdebatte sahen ihn Beobachter deutlich hinter Clinton, nicht so Donald Trump selber: Er ist mit sich zufrieden und gibt notfalls einem defekten Mikrofon die Schuld

Der Unterschied zu Deutschland

Grundsätzlich ist es offensichtlich, dass in verschiedenen Ländern, zumal auf unterschiedlichen Kontinenten, ein anderes politisches Klima herrscht. Bestimmt wird dieses von der Geschichte, den Institutionen, den speziellen Eigenheiten der Bevölkerung und den unterschiedlichen politischen Systemen. In Deutschland und den USA herrschen zwar Demokratie, aber als Demokratien sind diese beiden Systeme sehr verschieden.
Wie auch in den USA herrscht hierzulande ein immer tiefer werdendes Misstrauen gegenüber den etablierten politischen Kräften.

In Deutschland äußert sich diese Abneigung in den Wahlerfolgen der AfD. Ähnlich wie die AfD in Deutschland, geht auch Trump in den USA mit Vorurteilen, Ressentiments und Populismus auf Stimmenfang. Und hier wie dort trägt die gewählte Vorgehensweise für reiche Erträge. Doch ist es vorstellbar, dass sich Merkel und Gabriel auf diese, manchmal doch recht unwürdige, Weise beharken?
Kaum – denn der Wahlkampf in Deutschland ist (noch) begleitet von einem Mindestmaß an gegenseitigen Respekt. Ebenso ist der Wahlkampf in den USA auch immer eine Showveranstaltung, während in Deutschland eher Wert auf Argumente und Diskussionen gelegt wird.
Das liegt sicherlich zu einem Teil daran, dass in Deutschland der politische Gegner von heute, der Partner von morgen ist. In den USA hingegen regieren entweder die Demokraten oder die Republikaner, so dass auf den politischen Gegner keine große Rücksicht genommen werden muss, da er ja immer der Gegner ist.

Ist ein Donald Trump in Deutschland möglich?

Ein so extrovertierter und vorurteilsbeladener Mensch wie Trump würde in Deutschland wohl kaum als seriöser Politiker wahrgenommen werde, womit seine politische Karriere auch schnell wieder am Ende wäre. Für die Deutschen ist ein Politiker eine ernsthafte und seriöse Person und kein Jahrmarktsschreier.
Mit seiner großspurigen und herablassenden Art würde Trump jedenfalls in den deutschen Medien keine so große Plattform erhalten, wie es derzeit in den USA der Fall ist.

Für deutsche Verhältnisse wäre ein Donald Trump wohl einfach ein paar Stufen zu schrill. Mit seiner politischen Agenda aus Vorurteilen und Populismus geht aber auch die AfD auf Stimmenfang und das bekanntlich sehr erfolgreich. Doch Umfragen in Deutschland belegen: Donald Trump würden hier weniger als 5% wählen!
Mit einem seriösen Hauch und weniger auftrump(f)end wäre ein Trump light jedoch auch in Deutschland denkbar und möglich.

 

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