Der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Frank Walter SteinmeierFoto ©Bigstock
Eigentlich träumte Frank-Walter Steinmeier in seiner Jugend davon, Sportreporter zu werden. Er schlug dann allerdings nach der Schule doch einen anderen Karriereweg ein. Bereits während des Studiums verfolgte er seine persönlichen Ziele dabei stets mit dem Fleiß und der Zuverlässigkeit, die er schon als Jugendlicher während des Fußballtrainings an den Tag gelegt hatte. Als bodenständige Politiker, der sich gerne in Sachfragen einarbeitet und bei Konflikten stets um Ausgleich ist bemüht, führte ihn sein Lebensweg schließlich an die Spitze der Bundesrepublik. Als zwölfter Bundespräsident vertritt Frank-Walter Steinmeier ab 2017 Deutschland in der Welt.

In Nordrhein-Westfalen verwurzelt

Frank-Walter Steinmeier wurde 1956 in Detmold geboren und wuchs im nordrhein-westfälischen Brakelsiek in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater Walter Steinmeier, der als Landwirt und Tischler tätig war, stammte aus einer Familie, die bereits seit Generationen im Gebiet Lippe lebte. Seine Mutter Ursula war eine Heimatvertriebene aus Schlesien, die das Familieneinkommen durch Fabrikarbeit aufbesserte.

Als Erstem in der Familie war es Frank-Walter Steinmeier möglich, ein Gymnasium zu besuchen. Nach dem Abitur im Jahr 1974 leistete er zunächst den Grundwehrdienst bei der Luftwaffe ab und nahm dann in Gießen ein Studium der Rechtswissenschaft auf, das er später noch um Politikwissenschaft ergänzte. Bereits während dieser Zeit lernte er Elke Büdenbender kennen, die er schließlich im Jahr 1995 heiratete.

Mit Leib und Seele Sozialdemokrat

Schon während des Studiums wurde Frank-Walter Steinmeiers Interesse an der Politik geweckt. Dabei versuchte er früh, selbst Angelegenheiten, die ihm am Herzen lagen, mitzugestalten, weshalb er Mitglied der Juso-Hochschulgruppe wurde. Trotzdem wendet er sich nach seinem zweiten juristischen Staatsexamen zunächst der Lehre zu und nimmt eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für öffentliches Recht und Wissenschaft von der Politik an der Universität Gießen an.

Sein eigentlicher politischer Werdegang beginnt erst 1991, als er nach seiner Promotion als Referent für Medienrecht und Medienpolitik an die niedersächsische Staatskanzlei wechselt. Dort lernt er den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennen, der ihn zwei Jahre später zum Leiter seines persönlichen Büros ernennt. Auch als Schröder zum Bundeskanzler gewählt wird, folgte er ihm. Nachdem er 1999 zum Chef des Bundeskanzleramtes wurde, konnte er sich maßgeblich bei der Entwicklung der Agenda 2010 und der Reform des Renten- und Gesundheitssystems einbringen.

Schon zuvor hatte er seinen persönlichen Schwerpunkt auf die Sozialpolitik gelegt. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich beispielsweise mit den Möglichkeiten, Obdachlosigkeit zu verhindern und zu verringern. Auch heute noch ist für Frank-Walter Steinmeier eine sowohl gerechte als auch effektive Arbeits- und Sozialpolitik ein wichtiges Anliegen.

Minister der großen Koalition

Die Empfehlung Gerhard Schröders sorgte für die überraschendste Wendung in der Karriere von Frank-Walter Steinmeier. Ihr verdankt er die Ernennung zum Außenminister, als 2005 die erste Große Koalition unter Angela Merkel zustande kommt. Obwohl er in dieser Zeit durchaus nicht unumstritten war, gelang es ihm mit seiner verbindlichen Art rasch, sich sowohl unter seinen Kollegen in der Politik als auch bei der Bevölkerung Respekt zu verschaffen. Zeitweise war er in den Umfragen sogar deutlich beliebter als Kanzlerin Merkel.

Als Franz Müntefering zurücktritt, wird Frank-Walter Steinmeier 2007 schließlich sogar Vizekanzler. In diese Funktion war er zeitweise auch der Präsident des Rats der Europäischen Union. Bis zu diesem Jahr hatte er sich vollständig auf die praktische politische Arbeit konzentriert und weder Parteiämter noch ein Mandat als Parlamentarier angestrebt. Nachdem er 2007 erstmals zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden war, ging er bereits 2009 als Spitzenkandidat der SPD in die Bundestagswahl.

Diese konnte allerdings die CDU für sich entscheiden und anschließend eine schwarz-gelbe Koalition bilden. In den folgenden Jahren füllte Steinmeier als Vorsitzender der SPD-Fraktion auch die Rolle des Oppositionsführers im Bundestag aus. Als 2013 nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde erneut eine Große Koalition gebildet wird, übernimmt Frank-Walter Steinmeier erneut das Außenministeramt. Darüber hinaus ist er seit geraumer Zeit Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen.

Frank-Walter Steinmeier auf der 64. Berlinale am 6. Februar 2014 in Berlin mit seiner Frau

Frank-Walter Steinmeier auf der 64. Berlinale am 6. Februar 2014 in Berlin mit seiner Frau

Politische Positionen

Der Werdegang von Frank-Walter Steinmeier ist von Bedächtigkeit geprägt. Obwohl er ein Vollblutpolitiker ist, neigt er nicht dazu, sein Ego in den Vordergrund zu stellen. Er arbeitet ruhig und effizient und wägt bei Streitfragen alle Argumente sorgfältig ab. Trotzdem setzt er sich intensiv für die Dinge ein, die ihm wichtig sind. Dazu zählt vor allem die soziale Gerechtigkeit, nicht nur zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, sondern auch zwischen den Generationen.

Die Agenda 2010 hat er entscheidend mitgeprägt. Auch in der Außenpolitik vertrat er stets einen pragmatischen Ansatz und lehnte Alleingänge Deutschlands sowohl in der EU als auch in der internationalen Sicherheitspolitik ab. Schon bevor er als Bundespräsident vorgeschlagen wurde, galt Franz-Walter Steinmeier deshalb als staatsmännischster und bei den Bündnispartnern im Ausland beliebtester deutscher Sozialdemokrat.

Das Private wird öffentlich

Sein Privatleben hielt Frank-Walter Steinmeier von Anfang vom politischen Tagesgeschäft strikt getrennt. Mit seiner Frau, der Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender, und der gemeinsamen Tochter lebt er abseits des Trubels in Berlin-Zehlendorf.

Er legt Wert darauf, ein ganz normales, beschauliches Familienleben zu führen, zu dem es gehört, dass er die Frühstücksbrötchen holt und selbst den Rasen mäht.

Umso eindrücklicher war es für die Öffentlichkeit, als sich Steinmeier im Sommer 2010 kurzfristig eine Auszeit nimmt, um seiner schwerkranken Frau eine Niere zu spenden. Nach der geglückten Operation kehrte er mit neuer Energie und Motivation zu seinen Amtsgeschäften zurück.

In seiner Freizeit ist der Familienmensch Steinmeier gerne mit dem Fahrrad in der Natur oder mit seiner Tochter im Kino. Auch einem gemütlichen Abend zu Hause ist er nicht abgeneigt. Diesen verbringt er gerne mit einem guten Krimi, zu dem er sich belgische Pralinen und ein Glas Rotwein gönnt.

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