Das Geheimnis hinter der Gebärdensprache

sign language GebärdenspracheFoto ©Bigstock

Was ist die Gebärdensprache?

Die Gebärdensprache ist eine visuell wahrnehmbare Sprache, die besonders von nicht beziehungsweise schwer hörenden Personen zur Kommunikation verwendet wird. Dies ermöglicht gehörlosen Menschen eine entspannte und sehr verlässliche Kommunikation. Sie bedient sich dabei der Gestik, der Gesichtsmimik, der Körperhaltung allgemein sowie lautlos gesprochenen Wörtern. Sie ist natürlich entstanden und verfügt über eine eigene Grammatik. Zudem besitzt sie ein umfangreiches Vokabular, das von Land zu Land deutlich variieren kann. Diese Art von Sprache ist ebenso komplex wie die gesprochene Sprache, auch wenn sie gänzlich anders aufgebaut ist. Die Linguistik hat sie als eigenständige, vollwertige Sprache anerkannt.

Die Geschichte der Gebärdensprache

Genau wie die Lautsprachen hat auch die Gebärdensprache eine eigene Geschichte, die sehr weit zurückreicht. Schon Plato und Leonardo da Vinci zufolge gab es zu damaligen Zeiten taube Menschen, die sich mit Hilfe von verschiedenen Handzeichen und deutlicher Körperhaltung ausdrückten. Fakt ist, Gebärdensprache gab es dort, wo Gehörlose waren. Zu früheren Zeiten bestand diese Sprache aus unbestimmten Zeige- und Hinweisgebärden, Nachbildungen von Gegenständen oder pantomimischen Nachbildungen von Handlungen. Mit zunehmendem Umfang erhielten die Gebärdenzeichen eine strukturierende Abfolge und es entstand schließlich eine bestimmte Art von Grammatik.

Im Jahr 1550 stabilisierte sich die Entwicklung durch eine pädagogische Betreuung von gehörlosen Kindern. Anfangs wurden ausschließlich adlige, taube Kinder durch einen Mönch in Spanien in Gebärden unterrichtet. Im Jahr 1755 wurde schließlich die erste öffentliche Schule für taube Kinder gegründet. Diese befand sich in Paris und wurde von dem Geistlichen Abbé de l’Epée geleitet.

Mitte des 18. Jahrhunderts hatte dieser zwei Gehörlose durch die Stadt laufen sehen, welche sich mit ihren Händen unterhielten. Er begriff schnell, dass diese Sprache die Basis für die Erziehung der gehörlosen Kinder ist. Nach der Gründung dieser besonderen Schule für taube Kinder entwickelte sich aus den Straßengebärden die französische Gebärdensprache, welche heute als „Langue des Signes Français“ (LSF) bekannt ist. Sie fand eine rasche Verbreitung und wurde äußerst populär. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts gab es 21 Schulen für taube Kinder, denen diese Sprache beigebracht wurde. Einige Jahre später entwickelte sich in Amerika die American Sign Language (ASL), welche sich rasch in den gesamten Bundesstaaten sowie Kanada verbreitete.

Weltweite Verständigung

Gebärdensprachen sind genau wie Lautsprachen natürlich entstandene Sprachen, weshalb jedes Land seine eigene nationale Gebärdensprache hat. Weltweit gibt es knapp 200 Arten, welche sich teilweise sehr stark voneinander unterscheiden. Trotz dieser Unterschiede funktioniert die internationale Verständigung insgesamt relativ gut, denn die Sprache bedient sich einiger sogenannter „International Signs“. Das sind zum größten Teil Wiederholungen und das Nachahmen von landestypischen Gebärden. Auch einige Zahlenwörter sind in dieser Art der Kommunikation gleich.

Unterschiede von Land zu Land

Sich in Gebärdensprache unterhalten erfordert die direkte Zuwendung

Sich in Gebärdensprache unterhalten erfordert die direkte Zuwendung

Die verschiedenen Gebärdensprachen unterscheiden sich jedoch nicht nur je nach Kontinent beziehungsweise Land. Tatsächlich gibt es sogar verschiedene Arten von Dialekten innerhalb einer solchen Sprache. In Deutschland herrschen beispielsweise regionale Unterschiede: Der Schwabe hat einige Schwierigkeiten den Bayer oder auch den Norddeutschen zu verstehen.
Trotz der vorkommenden Unterschiede haben die verschiedenen Arten der Sprache einige Gemeinsamkeiten oder zumindest Ähnlichkeiten gemeinsam – im Gegensatz zu vielen gesprochenen Sprachen – sodass sehr viele gehörlose Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt trotz allem miteinander kommunizieren können.
Die weltweit am meisten verwendete Sprache ist die in Nord- und Zentralamerika verbreitete American Sign Language (ASL). Diese wird auch auf den meisten karibischen Inseln sowie in einigen asiatischen und afrikanischen Nationen überwiegend benutzt. Zudem gibt es eine Gebärdensprache auf internationaler Ebene, die sogenannte International Sign Language (ISL), welche die Kommunikation mit ganz unterschiedlichen Gebärdensprachen auf der ganzen Welt deutlich erleichtert.

Im deutschsprachigen Raum gibt es neben der Deutschen Gebärdensprache (DGS) eine Sprache für Österreich und eine für die Schweiz. Amerikanische und britische Menschen, die sich der Gebärdensprache bedienen, können einander kaum verstehen; der Amerikaner und der Franzose haben jedoch weniger Probleme miteinander zu kommunizieren, weil sich die American Sign Language (ASL) aus der Langue des Signes Française (LSF) herleitet. Insgesamt funktioniert die Kommunikation auf internationaler Ebene zwar relativ häufig und relativ gut, dauert aber entsprechend etwas länger.

Gehörlose Menschen auf der ganzen Welt


Gehörlose Menschen gibt es überall auf der Welt. Ungefähr 15 % dieser Personen haben ihre Gehörlosigkeit geerbt. In den überwiegend meisten Fällen ist diese aber erworben.
In Deutschland leben derzeit ungefähr 80.000 gehörlose Menschen. Man schätzt, dass zwischen 80.000 und 200.000 Menschen in Deutschland die Gebärdensprache beherrschen und auch verwenden. Da fast jedes Land auf der Welt eine eigene Art dieser Sprache besitzt, gibt es heute weltweit knapp 200 verschiedene Gebärdensprachen, die zusammen etwa fünf Millionen Sprecherinnen und Sprecher haben.

Ausführung

Die Ausführung findet im sogenannten Gebärdenraum statt. Dies bezeichnet den körpernahen Bereich. In diesem Gebärdenraum finden die einzelnen Gebärden statt: Mit den Händen werden diese Gebärden, die Vokabeln, in einer ganz bestimmten Reihenfolge, die Grammatik, verwendet. Gleichzeitig spielen auch Mimik, Kopf und Oberkörperhaltung eine zentrale Rolle und gehören zum Teil zur Grammatik dazu.
Für die korrekte Ausführung sind mehrere Elemente bedeutend. Die Gebärde, bestehend aus Handform, Handstellung, Bewegung und Ausführungsort. Zudem sind, wie eben erwähnt, Mimik, Kopf- sowie Oberkörperhaltung sehr wichtig. Die Sprache verfügt über eine eigenständige Grammatik; sie hat unter anderem einen besonderen Satzbau: Eventuelle Zeit- und Ortsangaben stehen am Beginn des Satzes. Subjekt, Objekt und schließlich Verb folgen im Anschluss. Als Beispiel wäre das in der gesprochenen Sprache wie folgt: „Heute ich Zeitung lese.“

Zur Ausführung der Gebärdensprache wird meist die starke Hand benutzt. Ein Rechtshänder nutzt folglich seine rechte Hand, ein Linkshänder verwendet hingegen die linke Hand häufiger.

Bildquelle:

 

Keine Kommentare

Keine Kommentare bisher.

Diesen Beitrag kommentieren